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Ausbildungspersonal unter Druck: Was neue BIBB-Daten zeigen

Mehr Betreuungsaufwand und eine schwierigere Gewinnung von Ausbildern treffen viele Betriebe gleichzeitig. Die Daten verlangen eine nüchterne Einordnung.

Viele Betriebe brauchen mehr Zeit für die Begleitung ihrer AuszubildendenAuszubildenderEin Auszubildender ist eine Person, die aufgrund eines Berufsausbildungsvertrags ausgebildet wird und berufliche Handlungsfähigkeit erwirbt.Im Lexikon öffnen →. Gleichzeitig fällt es ihnen schwerer, Beschäftigte für Ausbildungstätigkeiten zu gewinnen. Neue Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigen, dass beide Entwicklungen häufig zusammenkommen.

Das ist keine belastbare Grundlage für Klagen über eine einzelne Generation. Es ist ein Hinweis darauf, dass Betriebe die Rolle und die Arbeitsbedingungen ihres Ausbildungspersonals genauer prüfen müssen.

Was untersucht wurde

Die BIBB-Forscherinnen Anke Bahl, Franziska Kupfer und Kathrin Weis werteten ein Sondermodul des BIBB-Qualifizierungspanels 2023 aus. Die Betriebe sollten rückblickend einschätzen, wie sich in den vorangegangenen fünf Jahren die Gewinnung von Ausbildungspersonal und der Betreuungsaufwand je Auszubildendem verändert hatten.

Die Untersuchung macht zugleich eine statistische Grenze sichtbar. Ausbildung ist im Betrieb häufig auf viele Personen verteilt. Neben den offiziell gemeldeten Ausbilderinnen und Ausbildern wirken Ausbildungsleitungen, nebenberufliches Ausbildungspersonal und ausbildende Fachkräfte mit. Betriebe können diese Gruppen nicht immer trennscharf angeben.

Die Daten bilden deshalb keine vollständige Personalstatistik. Sie liefern ein belastbares betriebliches Stimmungsbild.

Damit ist auch klar, was sich vergleichen lässt: Die Prozentwerte beschreiben Einschätzungen von Betrieben zu einer Veränderung über fünf Jahre. Sie sagen nicht, wie viele Arbeitsstunden eine einzelne Ausbildung tatsächlich braucht. Sie zeigen auch nicht, ob der Aufwand in jedem Beruf oder jeder Betriebsgröße gleich entsteht.

Zwei Entwicklungen treffen aufeinander

30 Prozent der befragten Betriebe gaben an, dass es schwieriger geworden war, Beschäftigte für die Tätigkeit als Ausbilderin oder Ausbilder zu gewinnen. 53 Prozent berichteten von einem gestiegenen Betreuungsaufwand je Auszubildendem.

Bei großen Betrieben waren die Werte höher. Dort meldeten 36 Prozent eine schwierigere Gewinnung und 71 Prozent einen gestiegenen Betreuungsaufwand. Bei 20 Prozent aller Betriebe traten beide Entwicklungen gleichzeitig auf. Unter den großen Betrieben waren es 29 Prozent.

Die Zahlen sagen nicht, warum der Aufwand steigt. Sie messen auch nicht, ob Auszubildende heute grundsätzlich weniger leistungsfähig sind. Eine solche Ursache lässt sich aus der Befragung nicht ableiten.

Auch die höheren Werte großer Betriebe bedeuten nicht automatisch, dass deren Ausbildung schlechter organisiert ist. Große Betriebe koordinieren häufig mehr Auszubildende, Abteilungen und beteiligte Fachkräfte. Die Untersuchung zeigt den Unterschied, erklärt seine Ursache aber nicht.

Warum die Generationserklärung zu kurz greift

Eine pauschale Erklärung über die “Generation Z” klingt einfach: Die jungen Menschen hätten andere Erwartungen und benötigten mehr Betreuung. Damit wird aus einer betrieblichen Aufgabe schnell ein vermeintliches Persönlichkeitsmerkmal einer ganzen Altersgruppe.

Der BWP-Beitrag zur Untersuchung beschreibt ein breiteres Spannungsfeld. Dazu gehören unterschiedliche Erwartungen, die Organisation der Ausbildung und die Unterstützung der Personen, die zusätzlich zu ihrer Facharbeit ausbilden.

Die bessere Leitfrage lautet deshalb nicht: “Was stimmt mit den heutigen Auszubildenden nicht?” Sie lautet: “Welche Begleitung verlangt unsere heutige Ausbildung, und haben die verantwortlichen Personen dafür Zeit und Qualifikation?”

Diese Verschiebung ist praktisch wichtig. Eine Generationserklärung legt das Problem bei den Lernenden ab. Eine Ressourcenfrage lässt sich dagegen prüfen: Welche Aufgaben fallen an, wer übernimmt sie, wann stehen Engpässe an und welche Unterstützung fehlt?

Was Betriebe konkret prüfen können

Ist Ausbildungszeit sichtbar eingeplant?

Wer Ausbildung nur zusätzlich zur normalen Arbeit erledigt, gerät bei jeder Störung unter Druck. Betriebe sollten deshalb wiederkehrende Aufgaben wie Vorbereitung, Feedback und Lernerfolgskontrolle als Arbeitszeit einplanen. Eine offizielle Benennung als Ausbilder ersetzt diese Zeit nicht.

Sind die Rollen geklärt?

Auszubildende lernen häufig in mehreren Abteilungen. Dort übernehmen Fachkräfte einzelne Ausbildungsaufgaben, ohne sich als Ausbildungspersonal zu verstehen. Eine kurze Rollenklärung hilft: Wer erklärt eine Aufgabe? Wer prüft das Ergebnis? Wer führt schwierige Gespräche? Wer hält den Lernstand fest?

Erhalten Ausbilder selbst Unterstützung?

Die bestandene AEVOAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen →-Prüfung schafft eine wichtige Grundlage. Sie beantwortet aber nicht jede neue Situation im späteren Berufsalltag. Regelmäßiger Austausch, Fallbesprechungen und kurze Weiterbildungen können verhindern, dass jede Ausbilderin und jeder Ausbilder dieselben Probleme allein löst.

Ist die Lernbegleitung planbar?

Ein klarer Ablauf für die Durchführung der Ausbildung senkt spontane Abstimmung. LernzieleLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen →, Aufgaben, Kontrollpunkte und Rückmeldungen werden vorab sichtbar. Das ersetzt kein persönliches Gespräch, schafft aber Zeit für die Fälle, in denen es tatsächlich notwendig ist.

Ein Planungsbeispiel aus dem Betrieb

TechVista stellt fest, dass Rückmeldungen zu Lernaufträgen häufig mehrere Tage liegen bleiben. Die erste Vermutung lautet, dass die Auszubildenden mehr Hilfe als früher brauchen. Eine kurze Bestandsaufnahme zeigt jedoch ein anderes Bild: Drei Fachkräfte erklären Aufgaben, aber nur eine Person prüft die Ergebnisse und führt die Gespräche.

Der Betrieb verteilt deshalb nicht einfach weitere Einzelaufgaben. Er legt für jeden Lernauftrag eine zuständige Person, einen Kontrollzeitpunkt und ein kurzes Rückmeldeformat fest. Schwierige Fälle bleiben bei der verantwortlichen Ausbildungsperson. Routinemäßige Rückmeldungen übernehmen die beteiligten Fachkräfte nach gemeinsamen Kriterien.

Das Beispiel beweist keine allgemeine Ursache für höheren Betreuungsaufwand. Es zeigt, wie ein Betrieb die Daten als Anlass für eine eigene Prüfung nutzen kann, ohne den Befund vorschnell den Auszubildenden zuzuschreiben.

Woran eine Verbesserung erkennbar wird

Mehr eingeplante Zeit allein sagt noch nicht, ob die Begleitung besser funktioniert. Der Betrieb braucht wenige beobachtbare Merkmale. Dazu gehören zum Beispiel verlässliche Rückmeldezeiten, geklärte Zuständigkeiten und ein regelmäßiger Blick auf offene Lernziele.

Prüfe nach einem festgelegten Zeitraum: Bleiben weniger Aufgaben ungeklärt? Erhalten Auszubildende rechtzeitig fachliche Rückmeldung? Wissen beteiligte Fachkräfte, wann sie selbst entscheiden können und wann die verantwortliche Ausbildungsperson übernehmen soll? Diese Fragen verbinden die zusätzliche Ressource mit einer erkennbaren Wirkung.

Die eigentliche Schlussfolgerung

Die BIBB-Daten zeigen keinen Niedergang der Ausbildung. Sie zeigen eine Ressourcenfrage. Betriebe erwarten von Ausbildungspersonal fachliche Anleitung, Organisation, Motivation, Konfliktklärung und individuelle Lernbegleitung. Wenn diese Aufgaben wachsen, muss auch die Unterstützung wachsen.

Die praktische Konsequenz lautet: Nicht zuerst mehr Einsatz von einzelnen Ausbilderinnen und Ausbildern verlangen. Zuerst Rollen, Zeit und Qualifizierung prüfen. Die BIBB-Werte liefern dafür einen begründeten Anlass. Welche Änderung passt, muss jeder Betrieb aus seinen eigenen Abläufen ableiten.

Quellen

  1. Ausbilder/-innen im Betrieb – Neue Eckdaten aus dem BIBB-Qualifizierungspanel

    Bundesinstitut für Berufsbildung · geprüft am 28.08.2026

  2. Betriebliches Ausbildungspersonal unter Druck?

    Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis · geprüft am 28.08.2026