- Mittel
- Handlungsfeld 3
- vorhandenes Vorwissen, kognitive Zusammenhänge, kleine Gruppen
- Einstieg, fragend-entwickelnde Erarbeitung, Sicherung und Transfer
- aktiviert Vorwissen, macht Denkwege sichtbar, direkte Rückmeldung möglich
- abhängig von guten Fragen, ungeeignet ohne Anschlusswissen, Gefahr eines Schein-Dialogs
Im Lehrgespräch entwickelt die lernende Person eine Erkenntnis mithilfe geplanter Fragen und Denkanstöße. Die Ausbildungsperson führt den Denkweg, gibt die Lösung aber nicht einfach vor. Antworten beeinflussen den weiteren Gesprächsverlauf und machen vorhandenes Wissen sowie Fehlvorstellungen sichtbar.
Lehrgespräch baut auf Vorwissen auf
Nutze ein Lehrgespräch, wenn die lernende Person bereits Anschlusswissen hat und daraus einen Zusammenhang, eine Regel oder eine begründete Entscheidung entwickeln soll.
Die Übersicht der Ausbildungsmethoden ordnet das Lehrgespräch ein. Der Methodenvergleich hilft dir bei der Abgrenzung zu Vortrag, Rollenspiel und selbstständigen Methoden.
Eignung und Grenze des geführten Gesprächs
Ein Lehrgespräch eignet sich für kognitive LernzieleLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen →. Die lernende Person soll zum Beispiel Kriterien erklären, einen Fall beurteilen oder aus bekannten Informationen eine Regel ableiten. Die Methode aktiviert Vorwissen und erlaubt direkte Rückmeldung. Sie kann mit einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe durchgeführt werden, wenn alle tatsächlich beteiligt sind.
Ohne nutzbares Vorwissen funktioniert der fragend-entwickelnde Weg nicht. Dann errät die lernende Person entweder das gesuchte Wort oder die Ausbildungsperson beantwortet ihre eigenen Fragen. Fehlende Grundlagen müssen vorher erklärt, gezeigt oder durch geeignete Quellen erschlossen werden.
Das Lehrgespräch passt auch nicht, wenn das Lernziel sichtbares Verhalten oder eine praktische Fertigkeit verlangt. Gesprächsregeln können gemeinsam entwickelt werden; ihre Anwendung braucht anschließend zum Beispiel ein Rollenspiel. Ein Handgriff muss praktisch ausgeführt und kontrolliert werden.
Einen tragfähigen Frageweg vorbereiten
Beginne mit einer konkreten beruflichen Situation. Sie gibt den Fragen einen Zusammenhang und zeigt, warum die neue Erkenntnis gebraucht wird. Formuliere danach das Lernziel und prüfe, welches Wissen du voraussetzt. Plane nicht nur Idealantworten, sondern auch typische richtige Teilantworten und Fehlvorstellungen.
Gute Fragen verlangen Denken und lassen eine begründete Antwort zu. Offene Fragen wie „Welche Information brauchst du, bevor du diese Anfrage priorisierst?“ sind häufig ergiebiger als „Ist die Dringlichkeit wichtig?“. Eine Frage darf aber eng sein, wenn sie einen konkreten Vergleich fokussiert. Entscheidend ist, dass sie eine sinnvolle Denkleistung auslöst.
Ordne die Fragen vom Bekannten zur neuen Erkenntnis. Plane Impulse für den Fall, dass die lernende Person stockt. Ein Beispiel, ein Gegenfall oder eine sichtbare Unterlage ist oft hilfreicher als dieselbe Frage nur lauter oder einfacher zu wiederholen. Verrate nicht sofort die Lösung.
Ablauf vom Einstieg bis zum Transfer
So gehst du vor
- Einstieg: Zeige eine konkrete Situation und kläre, welche Entscheidung oder Erklärung benötigt wird.
- Vorwissen aktivieren: Lass die lernende Person bekannte Informationen, Erfahrungen oder Kriterien nennen.
- Erkenntnis entwickeln: Führe mit aufeinander aufbauenden Fragen, Vergleichen und Impulsen zum neuen Zusammenhang.
- Ergebnis sichern: Lass die lernende Person Regel oder Entscheidung in eigenen Worten zusammenfassen.
- Anwenden: Übertrage die Erkenntnis auf einen veränderten Fall und prüfe die Begründung.
Greife Antworten wertschätzend und fachlich genau auf. Eine teilweise richtige Antwort kann der nächste Schritt sein. Sage nicht vorschnell „falsch“, sondern frage, welche Information noch fehlt oder ob ein Gegenbeispiel die Aussage verändert. Eine klare Korrektur ist dennoch nötig, wenn ein falsches Modell stehen bleiben würde.
Durchgehendes Beispiel: Kundenanfragen priorisieren
Marie macht eine kaufmännische Ausbildung im IT-Service. Sie kennt die Kategorien Auswirkung, Dringlichkeit und vertragliche Vereinbarung, behandelt eingehende Anfragen aber noch häufig in der Reihenfolge ihres Eingangs. Das Lernziel lautet: Marie priorisiert zwei Kundenanfragen anhand der bekannten Kriterien und begründet ihre Entscheidung.
Die Ausbildungsperson zeigt zwei kurze Anfragen. In der ersten kann eine einzelne Person eine Komfortfunktion nicht nutzen. In der zweiten steht ein zentrales System eines Kundenbetriebs still. Beide Anfragen sind zur gleichen Zeit eingegangen. Die Einstiegsfrage lautet: „Welche Anfrage würdest du zuerst bearbeiten, und welche Information trägt deine Entscheidung?“
Marie entscheidet sich für den Systemstillstand und nennt die größere Zahl betroffener Personen. Die Ausbildungsperson greift dies auf: „Welches unserer bekannten Kriterien beschreibst du damit?“ Marie ordnet die Information der Auswirkung zu. Danach fragt die Ausbildungsperson, ob eine große Auswirkung allein immer ausreicht. Marie erinnert sich an Dringlichkeit und vertragliche Vereinbarungen.
Gemeinsam vergleichen sie beide Fälle anhand der drei Kriterien. Als Marie sagt, ein Systemstillstand sei immer höchste Priorität, erhält sie einen Gegenfall: Der Stillstand betrifft eine Testumgebung, während eine andere Anfrage einen nahen gesetzlichen Meldetermin gefährdet. Marie erkennt, dass das sichtbare Problem nicht ohne Kontext bewertet werden darf.
Zur Sicherung formuliert sie: „Ich priorisiere nicht nach Eingangszeit oder Lautstärke, sondern bewerte mindestens Auswirkung, Dringlichkeit und geltende Vereinbarungen.“ Im Transfer erhält sie zwei neue Anfragen mit weniger eindeutigem Ergebnis. Sie entscheidet und erklärt, welche Information sie vor einer endgültigen Priorisierung noch erfragen würde.
Lernerfolg im Gespräch sichtbar machen
Eine richtige Schlussantwort genügt nicht, wenn sie zufällig geraten wurde. Lass die lernende Person ihre Begründung ausführen und die Regel auf einen neuen Fall übertragen. Ein guter Transferfall verändert mindestens eine wichtige Bedingung. So erkennst du, ob das zugrunde liegende Kriterium verstanden wurde.
Bei einer Gruppe musst du Beteiligung planen. Eine schnelle Person darf den gesamten Denkweg nicht übernehmen. Du kannst kurze Einzelüberlegungen, Karten oder wechselnde Begründungen nutzen. Die Sicherung sollte zeigen, was jede Person verstanden hat.
Begründung für die praktische AEVO-Prüfung
Begründe das Lehrgespräch mit dem vorhandenen Anschlusswissen und dem kognitiven Lernziel. Im Beispiel kennt Marie die Kriterien bereits, soll sie aber zu einer systematischen Entscheidung verbinden. Die geplanten Fragen machen ihren Denkweg sichtbar und ermöglichen unmittelbare Korrektur. Ein Vortrag würde diese Aktivität nicht leisten.
Zeige im Fachgespräch auch die Grenze: Fehlen die Kriterien vollständig, brauchst du zuerst einen anderen Einstieg. Soll Marie anschließend ein schwieriges Priorisierungsgespräch führen, wäre ein Rollenspiel für das Verhalten geeigneter. Diese Abgrenzung zeigt eine situationsbezogene Methodenauswahl.
Plane die Gesprächszeit realistisch und halte Alternativfragen bereit, ohne einen Dialog auswendig zu schreiben. Die Seiten Konzept erstellen und Fachgespräch vorbereiten helfen dir, Lernziel, Ablauf und Begründung zu verbinden.
In einer Unterweisung ist das Lehrgespräch die gewählte Methode, nicht die gesamte AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen →. Der Unterweisungsentwurf zeigt zusätzlich Ausgangslage, Lernziel, Medien, Kontrolle und Transfer. So bleibt erkennbar, warum das Gespräch für diese lernende Person passt.
Typische Fehler im Lehrgespräch
- Ein Lehrgespräch wählen, obwohl das notwendige Vorwissen fehlt.
- Viele Ja-Nein-Fragen stellen und dadurch nur Zustimmung abfragen.
- Suggestivfragen nutzen, in denen die erwartete Antwort bereits steckt.
- Auf eine bestimmte Formulierung warten, statt den fachlichen Gedanken aufzugreifen.
- Fehlvorstellungen übergehen oder die lernende Person durch schroffe Korrektur bloßstellen.
- Die richtige Antwort sichern, aber keinen veränderten Transferfall bearbeiten.