AEVO-Konzept erstellen

Erstelle ein schlüssiges AEVO-Konzept aus Ausgangslage, Lernziel, Methode, Ablauf und Lernerfolgskontrolle.

Ein gutes AEVOAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen →-Konzept zeigt eine zusammenhängende Begründung: Diese lernende Person soll dieses beobachtbare Ziel erreichen. Deshalb wählst du diese Methode, diese Unterstützung und diese Lernerfolgskontrolle. Das Konzept ist damit mehr als ein Ablaufplan. Es macht deine pädagogischen Entscheidungen prüfbar.

Der Überblick zur praktischen AEVO-Prüfung ordnet das Konzept in AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen →, Prüfungsform und Fachgespräch ein.

Baue eine Begründungskette statt einer Materialsammlung

Beginne mit Ausgangslage und LernzielLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen →. Leite daraus Methode, Medien, Ablauf und Kontrolle ab. Jeder Abschnitt muss den nächsten tragen. Wenn du eine Entscheidung änderst, prüfst du deshalb auch die folgenden Abschnitte erneut.

Verbindlichkeit des schriftlichen Konzepts

§ 4 AEVO verlangt eine berufstypische Ausbildungssituation und ein anschließendes Fachgespräch. Die Verordnung schreibt keine bundesweit einheitliche Konzeptvorlage, Seitenzahl oder Gliederung vor. Ein schriftliches Konzept ist auch kein eigener dritter Prüfungsteil.

Die zuständige StelleKammer und zuständige StelleDie zuständige Stelle überwacht und berät die Berufsausbildung, führt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse und organisiert Prüfungen. IHK und HWK sind häufige, aber nicht die einzigen zuständigen Stellen.Im Lexikon öffnen → kann trotzdem einen Entwurf, ein Formular oder weitere Unterlagen verlangen. Sie kann Frist, Dateiformat, Anzahl der Exemplare, Seitenumfang und Anlagen festlegen. Prüfe deshalb zuerst dein aktuelles Merkblatt und deine Einladung. Eine Vorlage aus dem Internet ist nur eine Strukturhilfe.

Außerhalb der Land- und Hauswirtschaft dauert der gesamte praktische Teil höchstens 30 Minuten. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten. Für eine praktische Durchführung nennt § 4 Abs. 3 keine eigene 15-Minuten-Grenze. Verlasse dich für den konkreten Ablauf daher nicht auf eine allgemeine Vorlage.

Bestandteile eines schlüssigen Konzepts

Die folgende Struktur bündelt Angaben, die in veröffentlichten Kammerhinweisen häufig vorkommen. Sie ist keine amtliche Universalvorlage. Nutze sie, um deine Entscheidungen vollständig zu entwickeln.

Acht Bausteine für dein AEVO-Konzept

  1. Rahmendaten: Nenne Ausbildungsberuf, Ausbildungsstand, Lernort und gewählte Prüfungsform.
  2. Thema und Einordnung: Grenze eine berufstypische Situation ab und ordne sie in Ausbildungsordnung und betrieblichen Ausbildungsplan ein.
  3. Lernende Person: Beschreibe Vorwissen und Merkmale, die deine Gestaltung tatsächlich beeinflussen.
  4. Lernziel: Formuliere eine beobachtbare Handlung mit Bedingungen und Qualitätsmaßstab.
  5. Didaktische und methodische Entscheidung: Begründe Inhalt, Reduktion, Methode und notwendige Unterstützung.
  6. Medien, Material und Sicherheit: Plane ihre konkrete Aufgabe, Vorbereitung und mögliche Alternative.
  7. Ablauf: Verbinde Phasen, Lernaktivität, dein Handeln und realistische Zeitwerte.
  8. Lernerfolg und Transfer: Lege Aufgabe, Kriterien, Rückmeldung und nächsten Anwendungsschritt fest.

Konzept in der richtigen Reihenfolge entwickeln

Beginne nicht mit einer Methode oder einer fertigen Tabelle. Grenze zuerst die Ausbildungssituation für die praktische Prüfung ab. Ein großes Thema wie “Wareneingang” oder “Datenschutz” ist noch kein geeigneter Lernschritt.

1. Ausgangslage auf entscheidende Angaben begrenzen

Beschreibe, wer lernt, was bereits sicher beherrscht wird und in welchem betrieblichen Zusammenhang die Situation steht. Nenne ein Merkmal nur, wenn daraus eine Entscheidung folgt. Ein Ausbildungsjahr allein erklärt noch keine Methode. Vorwissen, Erfahrung mit dem Arbeitsmittel oder ein konkreter Unterstützungsbedarf können dagegen deine Hilfen und Aufgaben verändern.

2. Ein beobachtbares Lernziel formulieren

Das Lernziel beschreibt das Ergebnis, nicht deinen Vortrag. “Die lernende Person kennt die Prüfschritte” lässt sich schwer beobachten. “Die lernende Person prüft eine Lieferung anhand der vereinbarten Kriterien, dokumentiert eine Abweichung und begründet den nächsten Schritt” macht Handlung und Maßstab sichtbar.

Wenn die Formulierung noch nicht trägt, arbeite zuerst den Guide Lernziele für die AEVO formulieren durch.

Prüfe anschließend, ob sich dieses Ergebnis in der gewählten Prüfungsform zeigen lässt. Die Seite Präsentation oder praktische Durchführung hilft dir bei dieser Entscheidung.

3. Methode und Unterstützung ableiten

Wähle die Methode danach, was die lernende Person tun muss. Eine neue, sicherheitsrelevante Fertigkeit kann stärkere Anleitung verlangen. Eine begründete Entscheidung kann ein Lehrgespräch, einen Lernauftrag oder einen Fallvergleich tragen. Keine Methode ist allgemein die beste.

Erkläre außerdem, welche Unterstützung verfügbar ist und wann du sie zurücknimmst. Eine Hilfekarte, ein Beispiel oder eine Rückfrage soll Lernen ermöglichen. Sie darf die eigentliche Leistung nicht vorwegnehmen.

4. Kontrolle vom Lernziel aus planen

Die Lernerfolgskontrolle prüft dieselbe Handlung wie das Lernziel. Eine Wissensfrage passt nicht, wenn das Ziel eine praktische Ausführung oder begründete Entscheidung verlangt. Lege vorab fest, woran du ein ausreichendes Ergebnis erkennst und wie du Rückmeldung gibst.

Kontrollform, Kriterien und Feedback planst du mit der Vertiefung Lernerfolgskontrolle in der AEVO.

Einen realistischen Ablauf ableiten

Ein Ablaufplan zeigt nicht nur deine Moderation. Er macht sichtbar, was die lernende Person in jeder Phase tut. Nutze für jede Phase dieselben Leitfragen: Welches Teilziel verfolgt sie? Was tut die lernende Person? Wie unterstützt du? Welche Mittel werden gebraucht? Wie viel Zeit ist realistisch?

Vom Einstieg bis zum Transfer

  1. Einstieg: Stelle den betrieblichen Zweck her und aktiviere notwendiges Vorwissen.
  2. Orientierung: Kläre Ziel, Aufgabe, Rahmen und Sicherheitsregeln.
  3. Erarbeitung: Lass die lernende Person handeln, entscheiden oder einen Zusammenhang entwickeln.
  4. Unterstützung: Beobachte und gib nur so viel Hilfe, wie für den nächsten eigenen Schritt nötig ist.
  5. Kontrolle: Lass das Lernziel an einer beobachtbaren Aufgabe zeigen.
  6. Sicherung: Halte Ergebnis, Kriterien oder Vorgehen in einer passenden Form fest.
  7. Transfer: Benenne eine neue betriebliche Anwendung und die weitere Begleitung.

Nicht jede Situation braucht sieben sichtbar getrennte Phasen. Die Reihenfolge hilft dir jedoch zu prüfen, ob Orientierung, Aktivität, Kontrolle und Weiterführung vorhanden sind. Miss den vollständigen Ablauf mit Aufbau, Wechseln und Rückfragen. Addierte Tabellenwerte ersetzen keinen Probelauf.

Beispiel für einen vollständigen Zusammenhang

Beispiel: Eine Lieferung prüfen und eine Abweichung dokumentieren

Marie ist Kauffrau für Büromanagement im ersten Ausbildungsjahr bei der Contora GmbH. Sie kann Lieferschein und Bestellung abgleichen. Sichtbare Transportschäden hat sie bisher nur weitergemeldet. Das Lernziel lautet: Marie prüft eine vorbereitete Lieferung anhand der betrieblichen Kriterien, dokumentiert eine sichtbare Abweichung vollständig und begründet den nächsten Schritt.

Ein Lehrgespräch aktiviert ihr vorhandenes Wissen und führt zu den Prüfkriterien. Danach bearbeitet Marie einen vorbereiteten Fall selbst. Zwei Musterpakete, ein Lieferschein und ein kurzes Prüfblatt machen die Handlung sichtbar. Echte Kunden- oder Lieferantendaten werden nicht verwendet. Für die Lernerfolgskontrolle prüft Marie das zweite Paket ohne inhaltlichen Hinweis und begründet ihre Dokumentation anhand der vereinbarten Kriterien. Im Betrieb wendet sie das Vorgehen anschließend begleitet an einer echten Lieferung an.

Das Beispiel bleibt schlüssig, weil jeder Baustein auf denselben Kompetenzzuwachs zielt. Maries Vorwissen ermöglicht das Lehrgespräch. Das Lernziel verlangt Prüfung und Begründung. Deshalb kontrolliert ein zweiter Fall nicht nur das Wiederholen von Begriffen.

Begründungskette prüfen

Lies deinen Entwurf nicht nur von oben nach unten. Prüfe ihn auch rückwärts. Die Lernerfolgskontrolle muss das Lernziel nachweisen. Das Lernziel muss zur betrieblichen Situation passen. Methode und Hilfen müssen sich aus Vorwissen und Lernhandlung erklären lassen.

Konsistenzprüfung vor der Abgabe

  • Die Situation ist berufstypisch und auf einen realistischen Lernschritt begrenzt.
  • Jede Angabe zur lernenden Person beeinflusst eine konkrete Entscheidung.
  • Das Lernziel beschreibt eine beobachtbare Leistung und passende Kriterien.
  • Methode und Medien unterstützen genau diese Leistung.
  • Die lernende Person handelt, entscheidet oder erklärt selbst.
  • Die Lernerfolgskontrolle prüft das Lernziel an einer passenden Aufgabe.
  • Sicherheit, Datenschutz und betriebliche Regeln sind konkret berücksichtigt.
  • Die Zeit wurde mit einem vollständigen Probelauf geprüft.
  • Alternative und Grenzen sind für das Fachgespräch vorbereitet.
  • Form, Umfang und Abgabe entsprechen den aktuellen Kammervorgaben.

Eigene Konzeptvorlage ausfüllen

Übertrage deine Begründungskette in die Vorlage. Die Eingaben bleiben in diesem Browser gespeichert. Du kannst die ausgefüllte Fassung drucken oder im Druckdialog als PDF sichern. Prüfe vor der Abgabe weiterhin die Formvorgaben deiner zuständigen Stelle.

Ausfüllbare Vorlage

Konzept für deine Ausbildungssituation

Halte zuerst die tragenden Entscheidungen fest. Formuliere knapp, aber so konkret, dass Lernziel, Methode, Ablauf und Kontrolle als Zusammenhang erkennbar bleiben.

Rahmen und Thema

Nenne nur Angaben, die für die Situation wichtig sind.

Welche begrenzte berufstypische Situation bearbeitest du?

Lernende Person

Was kann die Person bereits sicher?

Welche Unterstützung oder welcher Freiraum folgt daraus?

Lernziel

Formuliere Handlung, Bedingungen und Qualitätsmaßstab.

Didaktische Entscheidung

Warum passt der Lernweg zu Person und Lernziel?

Welche Hilfe gibst du wann und wann nimmst du sie zurück?

Medien und Rahmen

Welche konkrete Aufgabe übernimmt jedes Mittel?

Welche Regeln und Ausweichmöglichkeiten planst du?

Ablauf

Zeige vor allem, was die lernende Person tut.

Lernerfolg und Transfer

Woran erkennst du das erreichte Lernziel?

Wie wird das Ergebnis gesichert und weitergeführt?

Fachgespräch

Wann wäre sie geeigneter als deine gewählte Methode?

Was änderst du bei mehr oder weniger Vorwissen?

Deine Eingaben werden nur auf diesem Gerät gespeichert.

Begriffe in diesem Thema

Die Lexikoneinträge klären die Begriffe. Dieser Guide zeigt, wie du daraus ein vollständiges und schlüssiges Konzept entwickelst.

Fehler im Konzept vermeiden

Typische Konzeptfehler

  • ein großes Fachthema statt einer begrenzten Ausbildungssituation beschreiben.
  • die Methode festlegen, bevor Person und Lernziel geklärt sind.
  • Merkmale der lernenden Person sammeln, ohne daraus Entscheidungen abzuleiten.
  • deine eigenen Tätigkeiten ausführlich planen und die Lernaktivität auslassen.
  • eine allgemeine Verständnisfrage als Lernerfolgskontrolle verwenden.
  • Zeitwerte aus einer Vorlage übernehmen, ohne den Ablauf zu proben.
  • ein fremdes Formular als bundesweite AEVO-Regel darstellen.

Wenn die Begründungskette steht, nutze das Konzept als Vorbereitung für das AEVO-Fachgespräch. Markiere jede Entscheidung, zu der der Ausschuss nach dem Warum, einer Alternative oder einer Anpassung fragen könnte.

Häufige Fragen

Wie lang muss ein AEVO-Konzept sein?

Die AEVO nennt keine bundesweit einheitliche Seitenzahl. Umfang, Formular und Anlagen können von der zuständigen Stelle vorgegeben werden. Prüfe deshalb dein aktuelles Merkblatt und deine Einladung.

Kann ich eine Vorlage aus dem Internet übernehmen?

Nutze eine Vorlage nur als Strukturhilfe. Ausgangslage, Lernziel, Methode, Ablauf und Kontrolle müssen zu deiner eigenen Ausbildungssituation passen. Übertrage das Ergebnis in die verbindliche Form deiner zuständigen Stelle.

Was gehört in den Ablaufplan?

Zeige für jede Phase Zweck, Aktivität der lernenden Person, dein unterstützendes Handeln, Medien oder Arbeitsmittel und einen realistischen Zeitwert. Der Ablauf braucht außerdem eine passende Lernerfolgskontrolle und Weiterführung.

Wird das schriftliche Konzept bewertet?

Das ist nicht bundesweit einheitlich geregelt. § 4 AEVO nennt Präsentation oder praktische Durchführung und Fachgespräch als praktischen Teil. Ob und wie Unterlagen einbezogen werden, richtet sich nach der zuständigen Stelle und ihrer Prüfungsordnung.

Quellen

  1. Ausbilder-Eignungsverordnung

    Bundesministerium der Justiz · geprüft am 01.09.2026

  2. Rahmenplan der Ausbilder-Eignungsverordnung 2023

    Bundesinstitut für Berufsbildung · geprüft am 01.09.2026

  3. Handreichung zur Ausbilder-Eignungsprüfung

    Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main · geprüft am 27.08.2026