AEVO-Lexikon

Unterweisung

Eine Unterweisung ist eine geplante Ausbildungssituation, in der eine lernende Person eine berufliche Handlung, Erkenntnis oder Verhaltensweise entwickelt und erprobt.

Auch genannt
Unterweisungen, praktische Unterweisung, Ausbildungseinheit

Eine Unterweisung ist eine geplante und methodisch gestaltete AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen →. Die lernende Person soll dabei eine berufliche Handlung, Erkenntnis oder Verhaltensweise entwickeln und selbst erproben. Dazu verbindet die Ausbildungsperson ein konkretes Lernziel mit einer passenden Aufgabe, Unterstützung und Lernerfolgskontrolle.

Ist jede Ausbildungssituation eine Unterweisung?

Im Ausbildungsalltag wird der Begriff oft für eine einzelne, in sich geschlossene Lerneinheit verwendet. Die Ausbilder-Eignungsverordnung nutzt im praktischen Prüfungsteil jedoch den weiteren Begriff Ausbildungssituation. Dazu können neben einer Ausbildungseinheit zum Beispiel auch ein BeurteilungsgesprächBeurteilungsgesprächEin Beurteilungsgespräch ordnet beobachtete Leistungen anhand vorher bekannter Kriterien ein und vereinbart konkrete Schritte für die weitere Ausbildung.Im Lexikon öffnen →, die Planung eines Lernprojekts oder die Einweisung einer ausbildenden Fachkraft gehören.

“Unterweisung” ist deshalb eine gebräuchliche Bezeichnung, aber nicht die einzige zulässige Form der praktischen AEVO-Aufgabe. Außerhalb der Land- und Hauswirtschaft kannst du eine Ausbildungssituation präsentieren oder praktisch durchführen. Der Guide Präsentation oder praktische Durchführung erklärt, welche Form zu deinem LernzielLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen → und Umfang passt.

Was gehört zu einer geplanten Unterweisung?

Eine Unterweisung braucht mehr als einen Fachinhalt. Fünf Elemente müssen zusammenpassen:

  • Die Ausgangslage beschreibt Lernstand und betriebliche Situation.
  • Das Lernziel nennt die Leistung, die danach sichtbar sein soll.
  • Die Aufgabe und Methode ermöglichen genau diese Leistung.
  • Die Lernaktivität zeigt, was die lernende Person selbst tut, entscheidet oder erklärt.
  • Die Lernerfolgskontrolle prüft das Ziel an einer passenden Handlung.

Die Methode ist damit ein Bestandteil der Unterweisung, aber nicht dasselbe. Eine Vier-Stufen-Methode kann einen neuen, klaren Handgriff stark anleiten. Ein Lehrgespräch kann vorhandenes Wissen zu einer begründeten Entscheidung weiterentwickeln. Welche Methode passt, hängt von Ziel, Vorwissen, Risiko und Rahmenbedingungen ab.

Beispiel: Eine Kundenanfrage priorisieren

Marie kennt bei der Contora GmbH bereits die Kriterien Auswirkung, Dringlichkeit und vertragliche Vereinbarung. In der Unterweisung vergleicht sie zwei Kundenanfragen, entscheidet über die Reihenfolge und begründet ihre Wahl. Ein veränderter zweiter Fall dient als Lernerfolgskontrolle. So prüft die Ausbildungsperson nicht nur, ob Marie Begriffe wiederholen kann, sondern ob sie die Kriterien auf eine berufliche Situation anwendet.

Was bedeutet Unterweisung in der praktischen AEVO-Prüfung?

Eine praktische Durchführung zeigt dein Handeln und die Interaktion mit einer lernenden Person. Der PrüfungsausschussPrüfungsausschussEin Prüfungsausschuss nimmt Prüfungsleistungen ab, bewertet sie und entscheidet über das Bestehen. Die zuständige Stelle errichtet und beruft den Ausschuss.Im Lexikon öffnen → kann beobachten, wie du erklärst, fragst, Unterstützung dosierst und auf Reaktionen eingehst. Bei einer Präsentation stellst du die geplante Ausbildungssituation dagegen nachvollziehbar dar.

§ 4 AEVO gibt für den praktischen Prüfungsteil außerhalb der Land- und Hauswirtschaft eine Gesamtdauer von höchstens 30 Minuten vor. Nur für die Präsentation nennt die Verordnung ausdrücklich eine Dauer von höchstens 15 Minuten. Vorgaben zu Unterlagen, mitgebrachten Personen und Ablauf können je nach zuständiger Stelle abweichen. Prüfe deshalb ihre aktuellen Hinweise.

Wie du Ausgangslage, Lernziel, Methode, Ablauf und Kontrolle als Begründungskette planst, zeigt der Guide AEVO-Konzept erstellen. Der Unterweisungsentwurf bezeichnet die schriftliche Fassung dieser Planung.

Häufige Fragen

Muss eine Unterweisung eine praktische Fertigkeit vermitteln?

Nein. Auch eine begründete Entscheidung, ein Gespräch oder eine andere berufliche Handlung kann das Ziel sein. Die Lernaktivität und die Kontrolle müssen zum gewählten Ziel passen.

Ist die Vier-Stufen-Methode für jede Unterweisung vorgeschrieben?

Nein. Die AEVO schreibt keine einzelne Methode vor. Wähle die Methode nach Lernziel, Vorwissen, Rahmenbedingungen und notwendigem Grad der Anleitung.

Quellen

  1. Ausbilder-Eignungsverordnung

    Bundesministerium der Justiz · geprüft am 01.09.2026

  2. Rahmenplan der Ausbilder-Eignungsverordnung 2023

    Bundesinstitut für Berufsbildung · geprüft am 01.09.2026

  3. Handreichung zur Ausbilder-Eignungsprüfung

    Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main · geprüft am 27.08.2026