Im praktischen Teil der AEVOAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen →-Prüfung kannst du eine Ausbildungssituation präsentieren oder praktisch durchführen. Keine Form ist automatisch leichter oder besser. Entscheidend ist, in welcher Form Lernziel, Lernaktivität und deine didaktischen Entscheidungen am deutlichsten werden.
Wähle von der Ausbildungssituation aus
Wähle die praktische Durchführung, wenn du eine klar begrenzte Situation mit echter Interaktion sicher und realistisch zeigen kannst. Wähle die Präsentation, wenn die Situation länger dauert, mehrere Phasen umfasst oder sich im Prüfungsraum nicht sinnvoll durchführen lässt. Du solltest deine Wahl in beiden Fällen fachlich begründen können.
Wahlrecht nach der AEVO
Außerhalb der Land- und Hauswirtschaft besteht der praktische Prüfungsteil aus einer Präsentation einer berufstypischen AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen → und einem Fachgespräch. Anstelle der Präsentation darfst du die Ausbildungssituation praktisch durchführen. Der gesamte praktische Teil dauert höchstens 30 Minuten. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten.
Für die Land- und Hauswirtschaft gilt eine Sonderregel. Dort besteht der praktische Teil aus der Durchführung einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch und soll höchstens 60 Minuten dauern. Prüfe deshalb zuerst, welche Regel für deinen Prüfungsbereich gilt.
Die AEVO legt den bundesweiten Rahmen fest. Deine zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer (HWK) oder andere zuständige StelleKammer und zuständige StelleDie zuständige Stelle überwacht und berät die Berufsausbildung, führt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse und organisiert Prüfungen. IHK und HWK sind häufige, aber nicht die einzigen zuständigen Stellen.Im Lexikon öffnen → kann zusätzliche organisatorische Vorgaben machen. Die IHK Frankfurt verlangt bei einer praktischen Durchführung zum Beispiel eine mitgebrachte Person in der Rolle des Auszubildenden. Sie stellt außerdem eigene Formblätter bereit, die nach ihrer Handreichung nicht bewertet werden. Solche Vorgaben gelten nicht automatisch bei jeder Stelle.
Präsentation und praktische Durchführung unterscheiden
Bei der praktischen Durchführung handelst du in der Rolle des Ausbilders. Eine andere Person übernimmt die Rolle der lernenden Person. Der PrüfungsausschussPrüfungsausschussEin Prüfungsausschuss nimmt Prüfungsleistungen ab, bewertet sie und entscheidet über das Bestehen. Die zuständige Stelle errichtet und beruft den Ausschuss.Im Lexikon öffnen → sieht unmittelbar, wie du erklärst, fragst, beobachtest, unterstützt und auf Reaktionen eingehst.
Bei der Präsentation stellst du dar, wie du eine konkrete Ausbildungssituation planst, durchführst und auswertest. Du erklärst dabei nicht nur ein AEVO-Thema. Du machst sichtbar, was die lernende Person in der geplanten Situation tut, warum du diese Gestaltung wählst und wie du den Lernerfolg feststellst.
| Kriterium | Präsentation | Praktische Durchführung |
|---|---|---|
| Was wird sichtbar? | Deine Planung, Einordnung und didaktische Begründung. | Dein Verhalten und die Interaktion in einer konkreten Situation. |
| Geeigneter Umfang | Längere Abläufe, mehrere Phasen oder nicht darstellbare Rahmenbedingungen. | Ein klar begrenzter Ausschnitt, der sich realistisch durchführen lässt. |
| Lernendenaktivität | Du erklärst konkret, wann und wie die lernende Person aktiv wird. | Der Ausschuss beobachtet die Aktivität und deine Reaktion darauf. |
| Organisation | Du brauchst einen belastbaren Aufbau und geeignete Medien. | Du brauchst je nach Vorgabe eine Person, Material und einen sicheren Ablauf. |
| Typisches Risiko | Die Darstellung bleibt abstrakt oder wird zu einem allgemeinen Vortrag. | Die Situation wirkt künstlich, ist zu groß oder lässt keine echte Reaktion zu. |
| Fachgespräch | Du begründest die dargestellte Planung und ihre Alternativen. | Du reflektierst zusätzlich das beobachtete Verhalten und mögliche Anpassungen. |
Die Tabelle zeigt keine Rangfolge. Eine gute Präsentation kann eine ungeeignete praktische Durchführung deutlich übertreffen. Umgekehrt hilft eine echte Durchführung nur dann, wenn sie das LernzielLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen → und dein pädagogisches Handeln tatsächlich sichtbar macht.
Eine belastbare Entscheidung treffen
Beginne nicht mit der Methode und nicht mit deiner bevorzugten Präsentationssoftware. Formuliere zuerst eine konkrete Ausbildungssituation. Wenn das Thema noch zu groß ist, hilft dir die Seite Thema für die praktische AEVO-Prüfung finden, einen prüfbaren Lernschritt abzugrenzen.
1. Welches Ergebnis soll die lernende Person erreichen?
Das Lernziel muss eine beobachtbare Handlung beschreiben. Bei einem praktischen Handgriff kann eine Durchführung naheliegen. Ein kognitives Lernziel schließt sie aber nicht aus. Eine lernende Person kann auch Informationen prüfen, eine Entscheidung begründen oder ein Gespräch führen. Entscheidend ist nicht der Beruf, sondern die konkrete Lernhandlung.
2. Passt die Situation in einen kurzen Ausschnitt?
Eine praktische Durchführung braucht einen sinnvollen Anfang, eine erkennbare Lernaktivität und eine Lernerfolgskontrolle innerhalb der verfügbaren Zeit. Zeige nicht einen ganzen Arbeitsprozess, wenn nur ein Lernschritt realistisch möglich ist.
Eine Präsentation ist oft geeigneter, wenn du mehrere Ausbildungstage, Lernorte oder aufeinander aufbauende Phasen erklären musst. Sie darf diese Komplexität verdichten. Sie muss aber trotzdem eine konkrete Ausbildungssituation bleiben.
3. Welche Interaktion musst du zeigen?
Die praktische Durchführung ist stark, wenn Rückfragen, Beobachtung und Unterstützung zur Situation gehören. Plane dabei keine Reaktionen auswendig. Lege stattdessen einen plausiblen Lernstand fest und bereite dich darauf vor, dein Vorgehen an erkennbare Schwierigkeiten anzupassen.
In einer Präsentation musst du diese Interaktion nachvollziehbar machen. Erkläre nicht nur, was du sagst. Zeige auch, was die lernende Person tut, wie du ihren Lernstand erkennst und an welcher Stelle du dein Vorgehen verändern würdest.
4. Kannst du die Situation sicher organisieren?
Prüfe Material, Arbeitsschutz, Datenschutz, Raum, Technik und die Rolle einer beteiligten Person. Ein fachlich passendes Thema ist ungeeignet, wenn die Durchführung nur mit unrealistischen Annahmen oder offenen Risiken funktioniert.
Bei der Präsentation verschiebt sich das Risiko zur Technik und zum Aufbau. Deine Medien sollen die Ausbildungssituation verständlich machen. Sie ersetzen weder die didaktische Begründung noch einen Plan für einen technischen Ausfall.
5. Welche Form kannst du besser begründen?
Im AEVO-Fachgespräch erläuterst du Auswahl und Gestaltung deiner Ausbildungssituation. Bereite deshalb nicht nur Argumente für deine gewählte Form vor. Erkläre auch, unter welcher veränderten Bedingung die andere Form besser wäre. Diese Abgrenzung zeigt, dass du nicht nach Gewohnheit entschieden hast.
Prüfe deine Wahl
- Das Lernziel beschreibt ein beobachtbares Ergebnis.
- Die gewählte Form macht die notwendige Lernaktivität sichtbar.
- Der Ausschnitt passt realistisch in die verfügbare Zeit.
- Person, Material, Medien und Sicherheit sind geklärt.
- Eine Lernerfolgskontrolle gehört zur dargestellten Situation.
- Du kannst eine sinnvolle Alternative und ihre Grenze erklären.
- Du hast das aktuelle Merkblatt und deine Einladung geprüft.
Entscheidung an konkreten Fällen
Die lernende Person soll eine überschaubare Lieferung anhand eines Lieferscheins prüfen und eine sichtbare Abweichung dokumentieren. Material, Handlung und Ergebnis lassen sich in einem kurzen Ausschnitt zeigen. Eine praktische Durchführung ist deshalb gut begründbar. Soll dagegen der gesamte Prozess von der Anlieferung bis zur Klärung mit Einkauf und Lager erklärt werden, ist dieser Ausschnitt zu groß. Für diese umfassende Situation wäre eine Präsentation geeigneter.
Ein kurzes Gespräch mit klarer Ausgangslage kann praktisch durchgeführt werden. Der Ausschuss sieht dann, wie du Fragen stellst, Rückmeldung gibst und auf die andere Person eingehst. Soll die Seite dagegen einen längerfristigen Beurteilungsprozess mit Vorbereitung, mehreren Beteiligten und späterer Entwicklungsplanung abbilden, kann eine Präsentation die Zusammenhänge besser zeigen. Das Gesprächsthema allein entscheidet die Form nicht.
Ein Projekt durchläuft meist mehrere Phasen und dauert länger als der Prüfungsabschnitt. Die vollständige Situation lässt sich deshalb kaum realistisch durchführen. In einer Präsentation kannst du Ausgangslage, Lernaufträge, Begleitung, Zwischenkontrollen und Transfer zusammenhängend darstellen. Einen einzelnen Projektauftakt oder ein kurzes Reflexionsgespräch könntest du dagegen praktisch durchführen, wenn genau dieser Ausschnitt dein Lernziel trägt.
Die Fälle zeigen ein wichtiges Prinzip: Nicht das Oberthema entscheidet. Die Form folgt dem abgegrenzten Lernschritt, der lernenden Person und den Bedingungen der Prüfung.
Häufige Fehlentscheidungen
- Die Präsentation nur wählen, weil keine zweite Person organisiert werden soll.
- Die praktische Durchführung nur wählen, weil das Thema aus einem technischen Beruf stammt.
- Eine Methode wie die Vier-Stufen-Methode festlegen, bevor Lernziel und Situation geklärt sind.
- Bei der Präsentation nur das eigene Vorgehen zeigen und die Aktivität der lernenden Person auslassen.
- Bei der Durchführung Reaktionen vollständig inszenieren und dadurch eine künstliche Vorführung erzeugen.
- Allgemeine Zeit- oder Materialangaben übernehmen, ohne das aktuelle Merkblatt der zuständigen Stelle zu prüfen.
Begriffe in diesem Thema
Die Lexikoneinträge erklären die beiden Begriffe. Dieser Guide bleibt die zentrale Entscheidungshilfe für deine Prüfungsform.
Umsetzung nach der Entscheidung
Halte die Entscheidung anschließend im AEVO-Konzept fest. Verbinde Ausgangslage, Lernziel, Methode, Ablauf und Lernerfolgskontrolle. Das Konzept hilft dir, Widersprüche vor der Prüfung zu erkennen. Ob und in welcher Form du Unterlagen einreichen oder mitbringen musst, bestimmt deine zuständige Stelle.
Wenn du die Präsentation wählst, verdichte das Konzept anschließend zu einem nachvollziehbaren Aufbau der AEVO-Präsentation. Zeige dort nicht nur deine Planung, sondern vor allem die Aktivität und den Kompetenzzuwachs der lernenden Person.
Wähle danach eine Ausbildungsmethode, die zur Lernhandlung und zum Vorwissen passt. Eine Methode ist keine Dekoration für das Konzept. Sie beschreibt, wie die lernende Person das Ziel erreicht und welche Unterstützung du gibst.
Plane Präsentation oder Durchführung und Fachgespräch als Einheit. Die Übersicht zur praktischen AEVO-Prüfung ordnet diesen Schritt in den gesamten Ablauf ein.
Häufige Fragen
Ist die Präsentation leichter als die praktische Durchführung?
Nicht allgemein. Die Präsentation reduziert die unmittelbare Interaktion, verlangt aber eine konkrete und nachvollziehbare Darstellung der Ausbildungssituation. Wähle die Form, die zu Lernziel, Umfang und Rahmenbedingungen passt.
Brauche ich für die praktische Durchführung einen echten Auszubildenden?
Das richtet sich nach deiner zuständigen Stelle. Die IHK Frankfurt verlangt zum Beispiel eine selbst mitgebrachte Person in der Rolle des Auszubildenden. Prüfe dein Merkblatt und deine Einladung.
Kann ich ein kaufmännisches Thema praktisch durchführen?
Ja. Auch ein Gespräch, eine Prüfung von Unterlagen oder eine begründete Entscheidung kann eine sichtbare Lernhandlung sein. Der Lernschritt muss konkret, aktiv und in der verfügbaren Zeit darstellbar sein.
Muss ich mich vor der Anmeldung für eine Form entscheiden?
Der organisatorische Zeitpunkt kann sich je nach zuständiger Stelle unterscheiden. Prüfe die Anmeldeunterlagen, das Merkblatt und die Einladung für deinen konkreten Termin.