AEVO-Präsentation aufbauen

Baue deine AEVO-Präsentation so auf, dass Ausbildungssituation, Lernaktivität und pädagogische Entscheidungen nachvollziehbar werden.

Eine AEVOAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen →-Präsentation ist kein Vortrag über ein Fachthema. Du stellst eine konkrete Ausbildungssituation dar und zeigst, wie eine lernende Person ein beobachtbares Ziel erreicht. Der Aufbau muss deshalb Ausgangslage, Entscheidung, Lernaktivität und Lernerfolg miteinander verbinden.

Der Überblick zur praktischen AEVO-Prüfung erklärt den vollständigen Rahmen aus AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen → und Fachgespräch.

Zeige einen Lernprozess statt nur deine Planung

Stelle zuerst Person, Situation und LernzielLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen → her. Zeige danach, was die lernende Person in den einzelnen Phasen tut, wie du sie unterstützt und woran du den Lernerfolg erkennst. Begründe nur die Entscheidungen, die für diesen Zusammenhang wichtig sind.

Rahmen der AEVO

Außerhalb der Land- und Hauswirtschaft besteht der praktische Prüfungsteil aus der Präsentation einer berufstypischen Ausbildungssituation und einem Fachgespräch. Anstelle der Präsentation darf die Situation praktisch durchgeführt werden. Beide Teile dauern zusammen höchstens 30 Minuten. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten.

Die 15 Minuten sind eine Obergrenze der AEVO, keine Garantie für einen überall gleichen Ablauf. Deine zuständige StelleKammer und zuständige StelleDie zuständige Stelle überwacht und berät die Berufsausbildung, führt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse und organisiert Prüfungen. IHK und HWK sind häufige, aber nicht die einzigen zuständigen Stellen.Im Lexikon öffnen → kann eine kürzere Präsentationszeit, bestimmte Medien oder organisatorische Vorgaben festlegen. Prüfe deshalb Einladung und Merkblatt, bevor du Folien und Zeitplan erstellst.

Der rote Faden der Präsentation

Der Ausschuss soll nach wenigen Minuten verstehen, wer lernt, welches betriebliche Problem gelöst wird und wie der Lernprozess gestaltet ist. Eine tragfähige Präsentation beantwortet dafür vier Fragen:

Der rote Faden

  • Wer ist die lernende Person und welches Vorwissen ist relevant?
  • Was soll sie nach der Situation beobachtbar können?
  • Wie erreicht sie dieses Ziel durch eigene Aktivität und passende Unterstützung?
  • Woran wird der Lernerfolg erkannt und wie geht das Lernen weiter?

Wenn eine Folie keine dieser Fragen unterstützt, brauchst du sie wahrscheinlich nicht. Allgemeine Definitionen, lange Unternehmensvorstellungen oder vollständige Auszüge aus AusbildungsordnungenAusbildungsordnungEine Ausbildungsordnung ist die bundesweit geltende Rechtsverordnung für einen anerkannten Ausbildungsberuf. Sie regelt Berufsbezeichnung, Dauer, Berufsbild, Ausbildungsrahmenplan und Prüfungsanforderungen.Im Lexikon öffnen → kosten Zeit, ohne die konkrete Situation verständlicher zu machen.

Aufbau der AEVO-Präsentation

Der folgende Aufbau ist eine redaktionelle Strukturhilfe. Er orientiert sich an § 4 AEVO und veröffentlichten Kammerkriterien. Passe Reihenfolge und Gewichtung an deine Situation und die Vorgaben deiner zuständigen Stelle an.

Sieben Teile für eine nachvollziehbare Präsentation

  1. Einstieg: Nenne Ausbildungssituation, Ziel und betrieblichen Nutzen.
  2. Ausgangslage: Beschreibe Ausbildungsberuf, Lernstand, Vorwissen und relevante Rahmenbedingungen.
  3. Lernziel: Formuliere die beobachtbare Leistung und passende Qualitätskriterien.
  4. Entscheidungen: Begründe Auswahl, Reduktion, Methode, Medien und notwendige Unterstützung.
  5. Ablauf: Zeige phasenweise das Handeln der lernenden Person und dein Ausbilderhandeln.
  6. Lernerfolg und Transfer: Erkläre Aufgabe, Maßstab, Rückmeldung und nächste Anwendung.
  7. Abschluss: Fasse den Kompetenzzuwachs zusammen und leite ruhig zum Fachgespräch über.

1. Einstieg und Ausgangslage knapp halten

Beginne mit der konkreten Situation. “Marie lernt heute, eine sichtbare Abweichung bei einer Lieferung zu prüfen und den nächsten Schritt zu begründen” gibt dem Ausschuss sofort einen Anker. Ergänze danach nur Angaben, die deine Gestaltung erklären.

Die Unternehmensgröße, eine vollständige Abteilungsstruktur oder Maries gesamter Lebenslauf sind nicht nötig. Relevant sind zum Beispiel ihr Ausbildungsstand, vorhandenes Wissen, die betriebliche Aufgabe und ein konkreter Unterstützungsbedarf.

2. Lernziel vor der Methode erklären

Das Lernziel macht den Rest der Präsentation prüfbar. Beschreibe eine sichtbare Handlung. Wenn du zuerst eine Methode nennst, muss der Ausschuss selbst erraten, welches Problem sie lösen soll.

Zeige außerdem den Ordnungsbezug in einer lesbaren Form. Nenne die passende Stelle aus Ausbildungsordnung und betrieblichem Ausbildungsplan. Eine fotografierte Seite mit kleinem Text hilft weniger als eine kurze, korrekte Einordnung.

3. Den Ablauf aus Sicht der lernenden Person zeigen

Eine Präsentation wird schnell zum Vortrag über deine eigene Moderation. Drehe deshalb jede Phase um: Was tut die lernende Person? Welche Entscheidung trifft sie? Woran erkennst du ihren Lernstand? Wie reagierst du auf Schwierigkeiten?

Von einer Ausbilderfolie zur Lernprozessfolie

Schwach wäre: “Ich erkläre die Prüfkriterien und zeige den Lieferschein.” Stärker ist: “Marie ordnet bekannte Angaben aus dem Lieferschein den sichtbaren Merkmalen der Lieferung zu. Mit offenen Fragen unterstütze ich nur dort, wo ihr ein Prüfkriterium fehlt. Danach wendet sie die Kriterien an einem zweiten Fall selbstständig an.”

4. Lernerfolg und Transfer konkret machen

“Ich frage, ob alles verstanden wurde” zeigt keinen Lernerfolg. Nenne die Aufgabe und den Maßstab. In unserem Beispiel prüft Marie ein zweites Paket, dokumentiert die Abweichung vollständig und begründet den nächsten Schritt anhand der vereinbarten Kriterien.

Der Transfer beantwortet, wo diese Kompetenz nach der Prüfungssituation gebraucht wird. Beschreibe eine neue betriebliche Anwendung und die weitere Unterstützung. So endet die Präsentation nicht künstlich mit dem letzten Prüfungsminute.

Zeit auf die Teile verteilen

Plane nicht jede Folie gleich lang. Ausgangslage und Einordnung brauchen nur so viel Zeit, dass der Ausschuss deine Entscheidungen versteht. Den größten Raum sollte die Darstellung des Lernprozesses bekommen. Dort werden Aktivität, Methode, Unterstützung und Kontrolle sichtbar.

Zeitplanung für deinen Probelauf

  1. Reserviere einen kurzen Einstieg für Situation, Person und Ziel.
  2. Plane den größten Anteil für Ablauf, Lernaktivität und deine pädagogischen Entscheidungen.
  3. Halte ausreichend Zeit für Lernerfolgskontrolle, Transfer und Abschluss frei.
  4. Miss auch Medienwechsel, kurze Pausen und den tatsächlichen Aufbau mit.
  5. Kürze Inhalte, wenn du die erlaubte Zeit nur durch schnelleres Sprechen erreichst.

Für eine erlaubte Präsentationszeit von 15 Minuten kann ein Probelauf zum Beispiel ungefähr drei Minuten für Ausgangslage und Ziel, acht Minuten für Entscheidungen und Ablauf sowie vier Minuten für Kontrolle, Transfer und Abschluss verwenden. Das ist keine amtliche Verteilung. Passe sie an dein Thema und deine Kammervorgabe an.

Folien und Medien gestalten

Die IHK Frankfurt nennt Medienaufbau, Anschaulichkeit und Strukturierung als mögliche Kriterien ihres regionalen Beurteilungsbogens. Gute Medien führen durch die Ausbildungssituation. Sie ersetzen weder deine Erklärung noch die Aktivität der lernenden Person.

Nutze pro Folie eine erkennbare Aufgabe. Eine Folie ordnet die Ausgangslage. Eine andere zeigt den Ablauf oder die Lernerfolgskriterien. Verwende kurze Aussagen, lesbare Schrift und nur Abbildungen, die etwas erklären. Tabellen eignen sich nur, wenn gleiche Kriterien verglichen werden.

Plane außerdem einen technischen Ausfall. Du musst nicht jedes Medium doppelt mitbringen. Du solltest aber die zentrale Ausbildungssituation auch dann strukturiert erklären können, wenn eine Animation, ein Video oder eine Verbindung nicht funktioniert.

Beispiel für einen vollständigen roten Faden

Beispielstruktur: Beschädigte Lieferung prüfen

Der Einstieg zeigt ein vorbereitetes Paket mit sichtbarer Abweichung und nennt den betrieblichen Zweck. Danach folgen Maries Vorwissen und das Lernziel. Eine kurze Übersicht zeigt, warum ein Lehrgespräch mit anschließender Fallanwendung passt. Im Ablauf wird für jede Phase Maries Aktivität sichtbar: Kriterien aktivieren, Lieferung prüfen, Abweichung dokumentieren und Entscheidung begründen. Die Lernerfolgskontrolle nutzt einen zweiten Fall. Der Abschluss nennt die begleitete Anwendung im echten Wareneingang und leitet zum Fachgespräch über.

Der Aufbau funktioniert, weil jede Folie dieselbe Kompetenz weiterführt. Er braucht keine allgemeine Geschichte des Wareneingangs und keine Sammlung aller Ausbildungsmethoden.

Präsentation realistisch proben

Ein stilles Durchlesen prüft weder Zeit noch Übergänge. Probiere die Präsentation im Stehen, mit echten Medien und hörbarer Stimme. Bitte eine zweite Person danach nicht nur um eine Bewertung. Lass sie drei konkrete Fragen beantworten: Wer lernt was? Was tut die lernende Person? Woran wird der Lernerfolg sichtbar?

Prüfung vor dem letzten Probelauf

  • Der Einstieg nennt Situation, Person und Ziel ohne lange Vorrede.
  • Das Lernziel beschreibt eine beobachtbare Leistung.
  • Jede Phase zeigt eine Aktivität der lernenden Person.
  • Methode und Medien haben einen konkreten Zweck.
  • Die Lernerfolgskontrolle prüft dieselbe Kompetenz wie das Lernziel.
  • Der Transfer führt in eine reale betriebliche Anwendung.
  • Die Präsentation bleibt mit ruhigem Sprechtempo innerhalb der Vorgabe.
  • Die zentralen Aussagen funktionieren auch bei einem technischen Ausfall.
  • Warum-, Alternativ- und Störungsfragen sind für das Fachgespräch vorbereitet.

Typische Präsentationsfehler

  • ein Fachthema erklären, statt eine Ausbildungssituation darzustellen.
  • zu viel Zeit für Betrieb, Agenda und Definitionen verwenden.
  • die Methode vor Lernziel und Vorwissen festlegen.
  • nur das Ausbilderhandeln und keine Lernaktivität zeigen.
  • eine allgemeine Verständnisfrage als Lernerfolgskontrolle verwenden.
  • Folien vorlesen oder mit kleinen Textblöcken überladen.
  • die erlaubte Zeit nur durch zu schnelles Sprechen erreichen.
  • die Präsentation isoliert vom Fachgespräch vorbereiten.

Das AEVO-Konzept liefert die inhaltliche Grundlage. Die Präsentation verdichtet diese Planung für den Ausschuss. Bereite anschließend das AEVO-Fachgespräch aus jeder sichtbaren Entscheidung deiner Präsentation vor.

Häufige Fragen

Wie viele Folien braucht eine AEVO-Präsentation?

Es gibt keine bundesweit festgelegte Folienzahl. Nutze nur so viele Folien, wie du für Situation, Lernziel, Entscheidungen, Ablauf, Lernerfolg und Transfer brauchst. Lesbarkeit und Zusammenhang sind wichtiger als die Anzahl.

Muss ich PowerPoint verwenden?

Die AEVO schreibt kein bestimmtes Präsentationsprogramm vor. Welche Medien erlaubt oder bereitgestellt werden, regelt deine zuständige Stelle. Wähle ein Medium, das deine Ausbildungssituation verständlich macht und sicher beherrschbar ist.

Darf die Präsentation genau 15 Minuten dauern?

§ 4 AEVO sagt, dass die Präsentation 15 Minuten nicht überschreiten soll. Deine zuständige Stelle kann eine kürzere Zeit vorsehen. Maßgeblich sind ihre aktuellen Hinweise und deine Einladung.

Soll ich meinen vollständigen Konzepttext präsentieren?

Nein. Verdichte das Konzept auf die Entscheidungen, die der Ausschuss für die Ausbildungssituation verstehen muss. Zeige besonders Lernziel, Lernaktivität, Begründung und Lernerfolg.

Quellen

  1. Ausbilder-Eignungsverordnung

    Bundesministerium der Justiz · geprüft am 01.09.2026

  2. Handreichung zur Ausbilder-Eignungsprüfung

    Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main · geprüft am 27.08.2026