Aufbau der schriftlichen Prüfung

Unterscheide verbindliche AEVO-Regeln, verbreitete IHK-Formate und die Vorgaben deiner zuständigen Stelle.

Die schriftliche Ausbildereignungsprüfung prüft deine Entscheidungen in typischen AusbildungssituationenAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen →. Du ordnest einen Fall mit Wissen aus allen vier Handlungsfeldern ein, erkennst die passende Regel und wägst Antwortmöglichkeiten gegeneinander ab.

Die Ausbilder-EignungsverordnungAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen → (AEVO) legt den bundesweiten Rahmen fest. Aufgabenzahl, Technik, Bewertung und Hilfsmittel werden durch Prüfungsordnung und zuständige Stelle konkretisiert. Diese Trennung hilft dir, mit den richtigen Bedingungen zu üben.

Die Übersicht zur schriftlichen AEVO-Prüfung ordnet diese Seite in Prüfungsstoff, Vorbereitung und Übung ein. Hier geht es im Detail um Aufgabenformat, Ablauf und Bewertung.

Der verbindliche Kern

Der schriftliche Teil soll nach § 4 Abs. 2 AEVO drei Stunden dauern. Er umfasst fallbezogene Aufgaben aus allen vier Handlungsfeldern. Eine feste Aufgabenzahl, eine bestimmte Prüfungssoftware oder ein einheitliches Bewertungsverfahren nennt die AEVO nicht.

Bundesweit gilt der Rahmen aus § 4 AEVO

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Beide Teile müssen mindestens mit “ausreichend” bewertet sein. Im schriftlichen Teil bearbeitest du Fälle aus den vier Handlungsfeldern der §§ 2 und 3 AEVO.

Bundesrecht beantwortet damit zwei Fragen: Welche Kompetenzbereiche kommen vor und welcher zeitliche Rahmen ist vorgesehen? Es beantwortet nicht, wie viele Aufgaben auf deinem Bildschirm erscheinen oder welche Gesetzessammlung du mitbringen darfst.

AussageGeltung
Der schriftliche Teil soll drei Stunden dauern.Bundesrecht nach § 4 AEVO
Die Aufgaben beziehen sich auf alle vier Handlungsfelder.Bundesrecht nach § 4 AEVO
Es gibt genau 80 Aufgaben.verbreitete IHK-Praxis, keine Bundesregel
Die Prüfung läuft digital.häufige Praxis, regional nicht einheitlich
Alles-oder-Nichts gilt für Auswahlaufgaben.belegte aktuelle IHK-Praxis, regional zu prüfen

Für deine Vorbereitung brauchst du beide Ebenen. Der bundesweite Rahmen bestimmt den Stoff. Einladung, örtliche Prüfungsordnung und aktuelles Merkblatt bestimmen die konkrete Durchführung an deinem Termin.

Verbreitete Formate und regionale Abweichungen

Mehrere veröffentlichte IHK-Unterlagen nennen 80 Aufgaben und 100 erreichbare Punkte. Die Aufgaben sind häufig in Ausgangssituationen gruppiert. Eine Ausgangssituation beschreibt zum Beispiel einen Betrieb, eine auszubildendeAuszubildenderEin Auszubildender ist eine Person, die aufgrund eines Berufsausbildungsvertrags ausgebildet wird und berufliche Handlungsfähigkeit erwirbt.Im Lexikon öffnen → Person und eine konkrete Phase der Ausbildung. Mehrere Einzelfragen können sich auf denselben Fall beziehen.

Die Aufgaben verlangen meist eine oder mehrere richtige Antworten. Das System nennt dir, wie viele Antworten gesucht sind. Einzelne Prüfungen können außerdem Zuordnungen, Reihenfolgen oder Freifelder enthalten.

Bei Auswahlaufgaben wird die Anzahl richtiger Lösungen angegeben. Im verbreiteten aktuellen Verfahren erhältst du die Punkte nur, wenn du alle richtigen und keine falsche Antwort auswählst.

Alles-oder-Nichts bei zwei richtigen Antworten

Die Aufgabe verlangt zwei richtige Antworten. Du markierst beide richtigen Antworten und zusätzlich eine falsche. Die Aufgabe erhält null Punkte. Dasselbe gilt, wenn du nur eine der beiden richtigen Antworten markierst.

Auch die konkrete Aufgabenzahl kann abweichen. Die IHK Koblenz nennt für ihr 2026 veröffentlichtes Format 70 gleich gewichtete Aufgaben. Dieses Gegenbeispiel zeigt, warum “immer 80 Aufgaben” keine verlässliche Grundregel ist.

Fallbezogene Aufgaben Schritt für Schritt lösen

Lies nicht sofort die Antworten. Ordne zuerst die Situation ein. So verhinderst du, dass eine fachlich richtige Aussage dich ablenkt, obwohl sie den konkreten Fall nicht beantwortet.

So gehst du vor

  1. Bestimme die Phase: Geht es um Planung, Vorbereitung, Durchführung oder Abschluss der Ausbildung?
  2. Markiere die beteiligten Rollen: Wer handelt, wer entscheidet und wer ist betroffen?
  3. Formuliere den Auftrag in eigenen Worten: Wird nach einer zulässigen, geeigneten oder vorgeschriebenen Handlung gefragt?
  4. Prüfe jede Antwort am Fall: Eine allgemeine Aussage reicht nicht, wenn Zeitpunkt, Rolle oder Voraussetzung nicht passen.
  5. Kontrolliere zum Schluss die geforderte Anzahl richtiger Antworten.
Vom Fall zur Entscheidung

Eine Auszubildende kann einen neuen Arbeitsablauf noch nicht sicher ausführen. Die Frage sucht eine geeignete nächste Maßnahme. Eine Antwort kann allgemein sinnvoll klingen, aber zu viel Selbstständigkeit voraussetzen. Prüfe deshalb zuerst Lernstand und LernzielLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen →. Wähle danach die Maßnahme, die in dieser Situation wirklich trägt.

Die vier Handlungsfelder der AEVO helfen dir, die Ausbildungsphase schnell zu erkennen. Wenn du die Begriffe noch nicht sicher trennst, beginne dort mit der Stofflandkarte.

Die 180 Minuten sinnvoll einteilen

Die folgende Zeiteinteilung ist eine Lernempfehlung. Sie ist keine Vorgabe der zuständigen StelleKammer und zuständige StelleDie zuständige Stelle überwacht und berät die Berufsausbildung, führt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse und organisiert Prüfungen. IHK und HWK sind häufige, aber nicht die einzigen zuständigen Stellen.Im Lexikon öffnen →. Teile die 180 Minuten nicht vorab starr durch eine angenommene Aufgabenzahl. Ausgangssituationen und Aufgaben können unterschiedlich viel Lese- und Entscheidungszeit benötigen.

So gehst du vor

  1. Erster Durchgang: Löse sichere Aufgaben und markiere offene Entscheidungen.
  2. Zweiter Durchgang: Bearbeite markierte Aufgaben mit gezielter Fallanalyse.
  3. Kontrolle: Prüfe die geforderte Anzahl richtiger Antworten und unbeantwortete Aufgaben.
  4. Abgabe: Halte einen technischen und organisatorischen Puffer zurück.

Übe diese Reihenfolge vor der Prüfung. Eine Zeitstrategie hilft nur, wenn du sie unter realistischen Bedingungen getestet und an dein Tempo angepasst hast. Notiere bei einem Übungsdurchlauf mit fallbezogenen Prüfungsfragen, wann du in den zweiten Durchgang wechselst und wie viel Zeit die Kontrolle tatsächlich braucht.

Hilfsmittel richten sich nach dem Aufgabenformat

Für bundeseinheitliche IHK-Aufgaben führt die DIHK-Bildungs-gGmbH ein Hilfsmittelverzeichnis. Es erlaubt bestimmte unkommentierte Gesetzestexte. Unterstreichungen, Klebezettel und reine Normenverweise sind in diesem Format zulässig. Eigene Erläuterungen oder Kommentare sind nicht erlaubt.

Die Aufgaben sollen grundsätzlich auch ohne Gesetzestexte lösbar sein. Nutze eine Sammlung deshalb nicht als Ersatz für Fallverständnis. Sie hilft dir vor allem, eine unsichere Rechtsfrage gezielt zu prüfen.

Zuständige Stellen mit eigenen Aufgaben können andere Regeln festlegen. Nutze deshalb nur die aktuelle Liste für deinen Termin. Eine Gesetzessammlung aus einem Kurs ersetzt diese Prüfung nicht. Prüfe außerdem, welcher Rechtsstand für deinen Prüfungstermin gilt.

Deine Kontrolle vor dem Termin

Checkliste

  • Einladung, Termin, Ort und Identitätsnachweis liegen bereit.
  • Aufgabenzahl und technische Durchführung sind aus dem aktuellen Merkblatt bekannt.
  • Die erlaubten Hilfsmittel stimmen mit der aktuellen Liste überein.
  • Die Bewertung von Auswahlaufgaben ist geklärt.
  • Du hast einen vollständigen Durchlauf unter Zeitbedingungen geübt.

Eine belastbare Vorbereitung zeigt sich im Transfer

Du kannst den Ablauf nicht nur beschreiben, sondern unter den Bedingungen deines Termins anwenden. Dafür reicht eine hohe Zahl bearbeiteter Fragen nicht. Prüfe dein Ergebnis an vier Beobachtungen:

  • Du erkennst bei neuen Fällen die Ausbildungsphase und die beteiligten Rollen.
  • Du kannst erklären, warum eine falsche Antwort im konkreten Fall nicht passt.
  • Du hältst bei einem vollständigen Durchlauf Zeit für offene Aufgaben und Kontrolle zurück.
  • Du kennst die Vorgaben deiner zuständigen Stelle zu Technik, Bewertung und Hilfsmitteln.

Wenn einer dieser Punkte fehlt, zeigt er dir das nächste Arbeitspaket. Der Lernplan für die schriftliche Prüfung hilft dir, solche Lücken nach Ursache und Handlungsfeld einzuplanen.

Was passiert, wenn du den schriftlichen Teil nicht bestehst?

Ein nicht bestandener schriftlicher Teil kann nicht durch eine gute praktische Leistung ausgeglichen werden. Du kannst die AEVO-Prüfung zweimal wiederholen. Ein bereits bestandener Prüfungsteil wird dabei grundsätzlich angerechnet. Maßgeblich bleiben dein Bescheid und die Wiederholungsregel deiner zuständigen Stelle.

Eine mündliche Ergänzungsprüfung ersetzt den nicht bestandenen schriftlichen Teil nicht. Du legst den schriftlichen Teil in der Wiederholungsprüfung erneut schriftlich ab. Der Guide AEVO-Prüfung nicht bestanden: Wiederholung planen führt dich von der Ergebnismitteilung bis zum nächsten Lernplan.

Häufige Fragen

Wie viele Aufgaben hat die schriftliche Prüfung?

Mehrere aktuelle IHK-Formate verwenden 80 Aufgaben. Die AEVO schreibt diese Zahl nicht vor. Prüfe das Merkblatt deiner zuständigen Stelle.

Ist die Prüfung überall digital?

Nein. Die digitale Durchführung ist verbreitet, aber nicht bundesweit vorgeschrieben. Einzelne Stellen verwenden eigene Technik oder andere Verfahren.

Wann ist der schriftliche Teil bestanden?

Er muss mindestens mit ausreichend bewertet sein. Viele veröffentlichte IHK-Formate nutzen 50 von 100 Punkten als Grenze. Die konkrete Berechnung folgt der Prüfungsordnung deiner zuständigen Stelle.

Kann ich den schriftlichen Teil mündlich ausgleichen?

Nein. Eine mündliche Ergänzungsprüfung ist für den nicht bestandenen schriftlichen AEVO-Prüfungsteil nicht vorgesehen. Du wiederholst diesen Teil schriftlich.

Quellen

  1. Ausbilder-Eignungsverordnung

    Bundesministerium der Justiz · geprüft am 01.09.2026

  2. Merkblatt zur Prüfung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung 2026

    Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt · geprüft am 27.08.2026

  3. Ausbildereignungsprüfung: Termine und Prüfungsdetails 2026

    Industrie- und Handelskammer Koblenz · geprüft am 01.09.2026

  4. Zugelassene Hilfsmittel für die bundeseinheitliche AEVO-Prüfung

    DIHK-Bildungs-gGmbH · geprüft am 01.09.2026