Ein Ausbildungszeugnis soll den tatsächlichen Verlauf der Ausbildung klar und vollständig abbilden. Dafür brauchst du zuerst die Pflichtangaben. Nur bei einem qualifizierten Zeugnis kommen Bewertungen von Leistung und Verhalten hinzu.
Der Überblick zu Handlungsfeld 4 ordnet das Zeugnis in Prüfung, Vertragsende und berufliche Perspektiven ein.
Das vollständige Zeugnis in sieben Bausteinen
Ordne Person, Ausbildungsart und -ziel, tatsächliche Dauer, erworbene Kompetenzen, bei der qualifizierten Form Leistung und Verhalten sowie den Abschluss mit Datum und Unterschriften. Prüfe jeden Baustein gegen Vertrag, Ausbildungsplan und dokumentierte Beurteilungen.

Einfaches und qualifiziertes Zeugnis unterscheiden
Nach § 16 Berufsbildungsgesetz (BBiG) stellt der Ausbildende bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses ein Zeugnis aus. Das gilt auch, wenn die Ausbildung vorzeitig endet. Die Pflicht hängt nicht davon ab, ob die AbschlussprüfungAbschlussprüfungDie Abschlussprüfung stellt am Ende einer anerkannten Berufsausbildung fest, ob die berufliche Handlungsfähigkeit erworben wurde. Grundlage sind BBiG und Ausbildungsordnung.Im Lexikon öffnen → bestanden wurde.
Das einfache Ausbildungszeugnis enthält Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. Auf Verlangen der auszubildendenAuszubildenderEin Auszubildender ist eine Person, die aufgrund eines Berufsausbildungsvertrags ausgebildet wird und berufliche Handlungsfähigkeit erwirbt.Im Lexikon öffnen → Person ergänzt der Betrieb Angaben zu Verhalten und Leistung. Erst diese Ergänzung macht das Dokument zu einem qualifizierten Ausbildungszeugnis.
| Prüfpunkt | Einfaches Zeugnis | Qualifiziertes Zeugnis |
|---|---|---|
| Anlass | Bei jeder Beendigung auszustellen. | Auf Verlangen der auszubildenden Person. |
| Ausbildung | Art, Dauer und Ziel. | Art, Dauer und Ziel. |
| Kompetenzen | Erworbene Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. | Erworbene Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten. |
| Bewertung | Keine Bewertung von Leistung und Verhalten. | Zusätzlich Leistung und Verhalten. |
Das betriebliche Ausbildungszeugnis ist nicht das Prüfungszeugnis der zuständigen StelleKammer und zuständige StelleDie zuständige Stelle überwacht und berät die Berufsausbildung, führt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse und organisiert Prüfungen. IHK und HWK sind häufige, aber nicht die einzigen zuständigen Stellen.Im Lexikon öffnen → und auch nicht das Berufsschulzeugnis. Die drei Dokumente haben unterschiedliche Aussteller und Aufgaben.
Sieben Bausteine geben dem Entwurf eine klare Reihenfolge
Das Gesetz schreibt keine Gliederung mit genau sieben Überschriften vor. Die folgende Reihenfolge ist eine redaktionelle Arbeitshilfe. Sie trennt die gesetzlichen Basisangaben von den zusätzlichen Bewertungen und macht die Abschlussprüfung leichter.
Ausbildungszeugnis in sieben Bausteinen schreiben
- Person und Dokument benennen: Verwende die Überschrift "Ausbildungszeugnis" und ordne den Text eindeutig der auszubildenden Person zu.
- Art und Ziel der Ausbildung beschreiben: Nenne den anerkannten Ausbildungsberuf und das Ausbildungsziel. Beschreibe den Betrieb nur so weit, wie es für die Einordnung hilfreich ist.
- Tatsächliche Dauer angeben: Übernimm Beginn und Ende aus den verlässlichen Unterlagen. Bilde Verkürzungen oder ein vorzeitiges Ende mit den tatsächlichen Daten ab.
- Erworbene Kompetenzen ausführen: Beschreibe die vermittelten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten anhand von Ausbildungsplan, Einsatzbereichen und tatsächlichem Verlauf.
- Leistung nur bei der qualifizierten Form bewerten: Stütze Aussagen zu Arbeitsqualität, Lernbereitschaft und Selbstständigkeit auf dokumentierte Beobachtungen über einen angemessenen Zeitraum.
- Verhalten nur bei der qualifizierten Form bewerten: Beziehe die Zusammenarbeit mit den im Ausbildungsalltag relevanten Personen ein und bilde das Gesamtverhalten stimmig ab.
- Abschluss, Datum und Unterschriften ergänzen: Prüfe Ort und Datum. Hat der Ausbildende nicht selbst ausgebildet, soll auch die verantwortliche Ausbildungsperson unterschreiben.
Damit steht das Grundgerüst. Der häufigste inhaltliche Engpass liegt im vierten Baustein: Die Berufsbezeichnung allein sagt noch nicht, welche Kompetenzen die Person tatsächlich erworben hat. Nutze den betrieblichen AusbildungsplanBetrieblicher AusbildungsplanDer betriebliche Ausbildungsplan überträgt den Ausbildungsrahmenplan auf einen konkreten Betrieb. Er ordnet Inhalte den Zeiten, Lernorten, Aufgaben und verantwortlichen Personen zu.Im Lexikon öffnen → als Soll-Struktur und gleiche ihn mit den realen Einsatzbereichen ab.
Kompetenzen konkret und ohne interne Details beschreiben
Eine brauchbare Kompetenzbeschreibung nennt Tätigkeiten und Verantwortung. Sie bleibt zugleich verständlich für Personen außerhalb des Betriebs. Interne Abkürzungen, vertrauliche Kundendaten und Produktnamen tragen selten zum Zeugniswert bei.
| Bereich | Zu allgemein | Nachvollziehbar |
|---|---|---|
| Kundenservice | Sie arbeitete im Kundenservice. | Sie nahm Kundenanfragen auf, klärte Standardfälle selbstständig und leitete komplexe Anliegen mit vollständigen Angaben weiter. |
| Warenwirtschaft | Er lernte die Warenwirtschaft kennen. | Er prüfte Wareneingänge, dokumentierte Abweichungen und pflegte Artikel- und Bestandsdaten sorgfältig. |
| Organisation | Sie erledigte Büroaufgaben. | Sie koordinierte Termine, bereitete Besprechungsunterlagen vor und verfolgte vereinbarte Aufgaben zuverlässig nach. |
Besondere Projekte gehören nur hinein, wenn sie eine erworbene Kompetenz belegen. Ein einzelnes Projekt darf das Gesamtbild nicht verzerren. Fehlt eine Aufgabe im tatsächlichen Ausbildungsverlauf, wird sie nicht aus dem Ausbildungsplan in das Zeugnis kopiert.
Bewertungen aus mehreren Beobachtungen ableiten
Eine qualifizierte Bewertung braucht eine nachvollziehbare Grundlage. Ziehe regelmäßige Beurteilungen, Feedbackgespräche, Arbeitsproben und die Entwicklung über die Ausbildungszeit zusammen. Einzelne besonders gute oder schlechte Tage tragen keine Gesamtbewertung.
Grundlagen vor dem Formulieren sammeln
- Ausbildungsvertrag und tatsächliche Ausbildungsdauer stimmen überein.
- Der betriebliche Ausbildungsplan und die Einsatzübersicht liegen vor.
- Regelmäßige Beurteilungen und besprochene Rückmeldungen sind berücksichtigt.
- Besondere Aufgaben lassen sich mit einer konkreten Kompetenz verbinden.
- Die Aussagen enthalten keine vertraulichen Betriebs- oder Kundendaten.
- Leistungs- und Verhaltensaussagen ergeben ein stimmiges Gesamtbild.
§ 16 BBiG verlangt eine klare und verständliche Formulierung. Merkmale oder Formulierungen, die eine andere Aussage als den Wortlaut vermitteln sollen, sind unzulässig. Vermeide deshalb geheime Zeichen und doppeldeutige Sätze. Bei Streit über eine konkrete Bewertung ist individuelle arbeitsrechtliche Beratung sinnvoll. Dieser Guide ersetzt sie nicht.
Vollständiges Muster für ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis
Das Muster zeigt alle sieben Bausteine in einem zusammenhängenden Text. Die Bewertungen sind Beispielsätze und kein Automatismus. Übernimm sie nur, wenn sie zum dokumentierten Gesamtbild passen.
Ausbildungszeugnis
Frau Sophie Beispiel absolvierte vom 1. August 2023 bis zum 31. Juli 2026 bei BäckerHaus Krüger eine Ausbildung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Bäckerei. Ziel der Ausbildung war der Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit in Beratung, Verkauf, Warenpräsentation und betrieblicher Organisation.
Während ihrer Ausbildung lernte Frau Beispiel den Verkauf, die Vorbereitung der Verkaufsräume, die Warenpräsentation und die Bearbeitung von Bestellungen kennen. Sie beriet Kundinnen und Kunden zu Backwaren und Inhaltsstoffen, stellte Bestellungen zusammen und rechnete Verkäufe sorgfältig ab. Außerdem kontrollierte sie Warenbestände, bereitete Nachbestellungen vor und beachtete die betrieblichen Vorgaben zu Hygiene und Qualität.
Frau Beispiel erfasste neue Aufgaben schnell und setzte Rückmeldungen zuverlässig um. Sie plante die ihr übertragenen Tätigkeiten selbstständig und erledigte sie sorgfältig und termingerecht. Auch bei höherem Kundenaufkommen arbeitete sie ruhig und behielt die vereinbarten Abläufe im Blick. Ihre Leistungen entsprachen stets unseren Erwartungen.
Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie Kundinnen und Kunden war stets einwandfrei. Sie unterstützte das Team verlässlich und ging respektvoll auf unterschiedliche Anliegen ein.
Wir danken Frau Beispiel für die Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihren weiteren beruflichen Weg viel Erfolg und persönlich alles Gute.
Musterstadt, 31. Juli 2026
Unterschrift der Ausbildenden
Unterschrift der verantwortlichen Ausbilderin
Prüfe am fertigen Entwurf, ob jede Aussage belegt werden kann. Kontrolliere danach die innere Logik: Die Kompetenzbeschreibung zeigt, was gelernt wurde. Die Leistungsbewertung erklärt, wie sicher und selbstständig die Person damit arbeitete. Die Verhaltensbewertung beschreibt die Zusammenarbeit.
Schriftliche oder elektronische Form richtig wählen
Der gesetzliche Ausgangspunkt ist das schriftliche Zeugnis. Mit Einwilligung der auszubildenden Person darf der Betrieb das Zeugnis elektronisch erteilen. Kläre Form und Einwilligung rechtzeitig, damit das Dokument bei Beendigung der Ausbildung bereitsteht.
Hat der Ausbildende die Ausbildung nicht selbst durchgeführt, soll auch die Ausbilderin oder der Ausbilder unterschreiben. Dadurch bleibt erkennbar, wer die fachliche Ausbildung tatsächlich beurteilt hat. Eine Schlussformel mit Dank und Zukunftswünschen gehört nicht zum gesetzlichen Mindestinhalt. Sie darf das Zeugnis ergänzen, wenn sie zum übrigen Text passt.
Den Entwurf vor der Übergabe prüfen
Vier Schritte für die Schlussprüfung
- Zeugnisart klären: Halte fest, ob die einfache oder qualifizierte Form verlangt wurde und ob eine elektronische Erteilung gewünscht ist.
- Fakten abgleichen: Prüfe Namen, Beruf, Beginn, Ende, Einsatzbereiche und erworbene Kompetenzen gegen die Unterlagen.
- Bewertungen lesen: Vergleiche jede Leistungs- und Verhaltensaussage mit den dokumentierten Beobachtungen und dem Gesamtbild.
- Form abschließen: Kontrolliere Verständlichkeit, Datum und Unterschriften und übergib das Zeugnis bei Beendigung des Ausbildungsverhältnisses.
Typische Fehler im Ausbildungszeugnis
- die einfache Form ungefragt um Bewertungen ergänzen.
- nur die Berufsbezeichnung nennen und erworbene Kompetenzen auslassen.
- den Ausbildungsplan abschreiben, obwohl einzelne Inhalte nicht vermittelt wurden.
- eine Gesamtbewertung aus einem einzelnen Ereignis ableiten.
- interne Abkürzungen oder vertrauliche Daten in den Text übernehmen.
- ein elektronisches Zeugnis ohne Einwilligung der auszubildenden Person erteilen.
Der aktuelle BIBB-Rahmenplan ordnet die Mitwirkung an einem schriftlichen Zeugnis dem vierten AEVOAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen →-Handlungsfeld zu. Er nennt die Unterscheidung zwischen einfacher und qualifizierter Form, Vollständigkeit, erlaubte und nicht erlaubte Inhalte sowie die Grundlage betrieblicher Beurteilungen. Für die AEVO-Prüfung ist deshalb nicht nur die Definition wichtig. Du solltest auch erklären können, wie aus dokumentierten Leistungen ein vollständiger Entwurf entsteht.
Häufige Fragen
Muss jeder Ausbildungsbetrieb ein Zeugnis ausstellen?
Ja. Der Ausbildende stellt bei jeder Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses ein Zeugnis aus. Das gilt auch bei einem vorzeitigen Ende.
Wann ist ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis nötig?
Wenn die auszubildende Person es verlangt. Dann ergänzt der Betrieb die Pflichtangaben des einfachen Zeugnisses um Angaben zu Verhalten und Leistung.
Darf das Zeugnis elektronisch erteilt werden?
Ja, wenn die auszubildende Person einwilligt. Ohne diese Einwilligung bleibt es bei der schriftlichen Form.
Wer unterschreibt das Ausbildungszeugnis?
Verantwortlich ist der Ausbildende. Hat er die Ausbildung nicht selbst durchgeführt, soll auch die verantwortliche Ausbilderin oder der verantwortliche Ausbilder unterschreiben.
Ist das betriebliche Zeugnis das Prüfungszeugnis?
Nein. Das betriebliche Zeugnis beschreibt Ausbildung und erworbene Kompetenzen. Das Prüfungszeugnis der zuständigen Stelle dokumentiert das Ergebnis der Abschlussprüfung.