AEVO-Lexikon

Lerntransfer

Lerntransfer gelingt, wenn Auszubildende erworbenes Wissen oder Können in einer anderen beruflichen Situation passend anwenden.

Auch genannt
Transfer, Transfersicherung, Praxistransfer, Wissenstransfer

Lerntransfer gelingt, wenn AuszubildendeAuszubildenderEin Auszubildender ist eine Person, die aufgrund eines Berufsausbildungsvertrags ausgebildet wird und berufliche Handlungsfähigkeit erwirbt.Im Lexikon öffnen → erworbenes Wissen oder Können in einer anderen beruflichen Situation passend anwenden. Eine Übung wurde also nicht nur wiederholt. Die lernende Person erkennt, was aus der bekannten Situation übertragbar ist, und passt ihr Vorgehen an neue Bedingungen an.

Wiederholung ist noch kein Transfer

Wer denselben Ablauf mit denselben Daten erneut ausführt, übt und festigt eine Handlung. Transfer wird sichtbar, wenn sich ein wichtiger Teil der Situation verändert. Das kann ein anderer Kundenfall, ein neues Material, ein unbekannter Fehler oder eine zusätzliche Anforderung sein.

Von der Übung zum neuen Fall

Mina hat in einer Testumgebung eine fehlerhafte IP-Konfiguration gefunden. Beim nächsten Auftrag funktioniert die Verbindung ebenfalls nicht, diesmal liegt die Ursache aber in der Namensauflösung. Sie übernimmt nicht einfach die alte Lösung. Stattdessen überträgt sie die erlernte Prüflogik auf den neuen Fehler und passt ihre Schritte an.

Transfersicherung wird mitgeplant

Der BIBB-Rahmenplan nennt Transfersicherung als Teil der Unterstützung von Lernprozessen. Dafür braucht eine AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen → nicht nur Erklärung und erste Übung. Sie braucht auch eine Gelegenheit, das Gelernte unter veränderten Bedingungen anzuwenden und das Ergebnis auszuwerten.

Hilfreich sind zum Beispiel:

  • eine Folgeaufgabe mit einem neuen Kontext,
  • die Frage, welche Schritte gleich bleiben und welche angepasst werden müssen,
  • eine Begründung der gewählten Vorgehensweise,
  • eine Rückmeldung zum Ergebnis und zum Entscheidungsweg,
  • eine spätere Anwendung im realen Arbeitsprozess.

Eine Transferaufgabe sollte anspruchsvoller als die Ausgangsübung sein, aber an vorhandenes Können anschließen. Ändern sich zu viele Bedingungen gleichzeitig, misst die Aufgabe möglicherweise fehlendes Vorwissen statt Transfer.

Lernerfolg und Transfer beantworten verschiedene Fragen

Eine Lernerfolgskontrolle prüft, ob ein festgelegtes LernzielLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen → erreicht wurde. Sie kann bereits Transfer verlangen, muss es aber nicht. Eine reine Wissensfrage zeigt zum Beispiel, ob eine Regel erinnert wird. Erst ein veränderter beruflicher Fall zeigt, ob die Regel passend eingesetzt werden kann.

Lerntransfer ist deshalb eng mit beruflicher Handlungskompetenz verbunden. In beiden Fällen zählt nicht nur, was eine Person kennt, sondern wie sie Wissen, Fertigkeiten und Entscheidungen in einer Situation zusammenführt.

Häufige Fragen

Wann sollte der Lerntransfer geprüft werden?

Eine erste veränderte Aufgabe kann direkt auf die Übung folgen. Eine spätere Anwendung im Arbeitsprozess zeigt zusätzlich, ob das Gelernte auch mit zeitlichem Abstand verfügbar bleibt.

Ist jede Praxisaufgabe automatisch eine Transferaufgabe?

Nein. Wenn die Aufgabe nur den bekannten Ablauf unter gleichen Bedingungen wiederholt, ist sie vor allem Übung. Transfer verlangt eine relevante Veränderung, auf die die lernende Person ihr Vorgehen anpassen muss.

Quellen

  1. Rahmenplan der Ausbilder-Eignungsverordnung 2023

    Bundesinstitut für Berufsbildung · geprüft am 01.09.2026