AEVO-Lexikon

Motivation und Motivationsförderung

Motivation beschreibt, worauf eine Person ihr Handeln richtet, mit welcher Intensität sie handelt und wie ausdauernd sie dabei bleibt. Motivationsförderung gestaltet Bedingungen, die eigenständiges und zielgerichtetes Lernen unterstützen.

Auch genannt
Motivation, Motivationsförderung, Lernmotivation, Eigenmotivation, Fremdmotivation, intrinsische Motivation, extrinsische Motivation

Motivation beschreibt, worauf eine Person ihr Handeln richtet, mit welcher Intensität sie handelt und wie ausdauernd sie dabei bleibt. In einer AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen → zeigt sie sich zum Beispiel darin, ob eine auszubildende Person eine Aufgabe beginnt, bei Schwierigkeiten weiterarbeitet und ein Ergebnis prüfen möchte. Aus diesem Verhalten allein lässt sich die Ursache der Motivation jedoch nicht sicher ablesen.

Eigen- und Fremdmotivation greifen ineinander

Der BIBB-Rahmenplan nennt Eigen- und Fremdmotivation als Grundlagen der Motivation. Eigenmotivation entsteht aus Gründen, die die Person selbst mit der Aufgabe verbindet, etwa Interesse, ein persönliches Ziel oder das Erleben eigener Fortschritte. Fremdmotivation bezieht sich auf äußere Folgen wie Anerkennung, eine Bewertung oder eine vereinbarte Belohnung.

Die Trennung beschreibt Gründe, keine festen Personentypen. Dieselbe Person kann eine Aufgabe interessant finden und zugleich auf eine gute Bewertung hinarbeiten. Auch äußere Anlässe sind nicht grundsätzlich schlecht. Problematisch wird es, wenn nur Druck oder Belohnung trägt und Sinn, Selbstständigkeit sowie fachlicher Fortschritt aus dem Blick geraten.

Motivation lässt sich unterstützen, aber nicht verordnen

Der Rahmenplan verbindet eine motivierende Lernkultur unter anderem mit transparenten Informationen, erreichbaren Lernzielen, Vorbildverhalten, Lob, Anerkennung und konstruktiver Rückmeldung. Daraus folgen konkrete Gestaltungsmöglichkeiten:

  • Erkläre den beruflichen Sinn einer Aufgabe.
  • Vereinbare ein erreichbares, beobachtbares LernzielLernzieleLernziele beschreiben, was eine lernende Person nach einem Lernprozess kann. Sie lassen sich nach Konkretisierungsgrad und Lernbereich ordnen.Im Lexikon öffnen →.
  • Gib einen angemessenen Entscheidungsspielraum.
  • Mache Fortschritt mit konkreter Rückmeldung sichtbar.
  • Passe Schwierigkeit und Unterstützung an den Ausbildungsstand an.

Keine einzelne Maßnahme garantiert Motivation. Die auszubildendeAuszubildenderEin Auszubildender ist eine Person, die aufgrund eines Berufsausbildungsvertrags ausgebildet wird und berufliche Handlungsfähigkeit erwirbt.Im Lexikon öffnen → Person bewertet selbst, ob eine Aufgabe wichtig und erfolgreich zu bewältigen ist. Deshalb gehört ihre Sicht in die Planung.

Den Sinn und den Fortschritt sichtbar machen

Marie übt ein Reklamationsgespräch nicht nur für eine Bewertung. Ihre Ausbildungsperson erklärt, dass sie später vergleichbare Gespräche selbst übernehmen soll. Marie wählt zunächst einen überschaubaren Fall und erhält danach eine konkrete Rückmeldung zu ihrer Gesprächsführung. So werden beruflicher Sinn, Mitgestaltung und Fortschritt verbunden.

Fehlende Motivation kann ein Hinweis sein

Wenn eine Person eine Aufgabe vermeidet, kommen mehrere Ursachen infrage. Die Aufgabe kann zu leicht, zu schwer, unklar oder ohne erkennbaren beruflichen Bezug sein. Auch äußere Belastungen oder wiederholte Misserfolge können das Verhalten beeinflussen. Eine Lernberatung hilft, diese Möglichkeiten zu klären, bevor eine Maßnahme festgelegt wird.

Motivationsförderung ersetzt keine fachliche Erklärung. Wer eine Grundlage nicht verstanden hat, braucht nicht nur Zuspruch, sondern eine passende Lerngelegenheit. Umgekehrt genügt ein fachlich gutes Material nicht, wenn die Person keinen Sinn oder erreichbaren nächsten Schritt erkennt.

Häufige Fragen

Kann eine Ausbildungsperson Motivation herstellen?

Nein. Sie kann Bedingungen gestalten, die Motivation unterstützen, etwa Sinn, erreichbare Ziele, Mitgestaltung und konkrete Rückmeldung. Wie die auszubildende Person die Aufgabe bewertet, bleibt individuell.

Ist eine Belohnung immer schädlich?

Nein. Eine äußere Anerkennung kann einen Lernprozess unterstützen. Sie sollte aber nicht die einzige Begründung für die Aufgabe bleiben und darf fachlichen Sinn, Selbstständigkeit oder ehrliche Rückmeldung nicht ersetzen.

Quellen

  1. Rahmenplan der Ausbilder-Eignungsverordnung 2023

    Bundesinstitut für Berufsbildung · geprüft am 01.09.2026

  2. Zur Bedeutung lern-lehr-theoretischer Konzepte für aktuelle didaktische Prinzipien der beruflichen Bildung

    bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online · geprüft am 03.09.2026