Im Jahr 2025 haben weniger Menschen eine duale Ausbildung begonnen als im Vorjahr. Eine Gruppe ist trotzdem deutlich gewachsen: AuszubildendeAuszubildenderEin Auszubildender ist eine Person, die aufgrund eines Berufsausbildungsvertrags ausgebildet wird und berufliche Handlungsfähigkeit erwirbt.Im Lexikon öffnen → ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Ihre Zahl stieg nach den endgültigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts um 18 Prozent auf 82.400 Neuverträge. Die Zahl der Neuverträge mit deutschen Auszubildenden sank dagegen um 6 Prozent.
Für dich als Ausbilderin oder Ausbilder ist das mehr als eine Arbeitsmarktnachricht. Die Gruppe, die du ausbildest, verändert sich. Dieser Beitrag zeigt, was die Zahlen belegen, was sie nicht belegen und was du daraus für deinen Betrieb ableiten kannst.
Was die Zahlen für 2025 zeigen
Das Statistische Bundesamt zählt für 2025 insgesamt 461.900 neue Ausbildungsverträge. Das sind 13.100 oder 2,8 Prozent weniger als 2024. Hinter diesem Rückgang stehen zwei gegenläufige Bewegungen:
- Neuverträge mit deutscher Staatsangehörigkeit: minus 25.600;
- Neuverträge ohne deutsche Staatsangehörigkeit: plus 12.400.
Ohne den Zuwachs bei den Auszubildenden ohne deutschen Pass wäre der Rückgang also fast doppelt so groß gewesen. Diese Rechnung stammt von uns. Sie ergibt sich direkt aus den beiden amtlichen Werten.
Nach den amtlichen Tabellen hatten 2025 rund 18 Prozent aller Neuverträge eine Person ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Im Jahr 2015 gab es in dieser Gruppe knapp 38.800 Neuverträge. Die Zahl hat sich in zehn Jahren also mehr als verdoppelt.
Die Pressemitteilung nennt auch einzelne Staatsangehörigkeiten. Die Zahl der Neuverträge mit ukrainischer Staatsangehörigkeit stieg um 64 Prozent auf 9.500. Bei vietnamesischer Staatsangehörigkeit waren es 36 Prozent mehr, insgesamt 9.600. Deutliche Zuwächse gab es auch bei türkischer (plus 48 Prozent) und afghanischer Staatsangehörigkeit (plus 47 Prozent).
Wo die Veränderung besonders ankommt
Die Entwicklung verteilt sich nicht gleichmäßig. Auszubildende ohne deutschen Pass lernen häufiger in den freien Berufen. Dazu gehören zum Beispiel Arzt- und Zahnarztpraxen. Dort beginnen 17 Prozent von ihnen ihre Ausbildung. Bei den deutschen Auszubildenden sind es 8 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. 23 Prozent von ihnen beginnen eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten, 11 Prozent zur medizinischen Fachangestellten. Im öffentlichen Dienst, in der Landwirtschaft und in der Hauswirtschaft beginnen dagegen nur 1,5 Prozent der Auszubildenden ohne deutschen Pass.
Für Ausbilderinnen und Ausbilder bedeutet das: Die Veränderung ist nicht in jedem Betrieb gleich spürbar. In einer Zahnarzt- oder Arztpraxis kann sie schon Alltag sein. In einer Behörde ist sie vielleicht noch kaum zu sehen.
Welche Grenzen die Statistik hat
Die Zahlen sind belastbar. Sie beantworten aber nur eine enge Frage. Drei Grenzen solltest du kennen, bevor du Schlüsse ziehst.
Staatsangehörigkeit ist kein Sprachstand
Die Statistik erfasst den Pass, nicht die Sprache. Eine Auszubildende mit türkischer Staatsangehörigkeit kann in Deutschland aufgewachsen sein und fließend Deutsch sprechen. Ein Auszubildender mit deutschem Pass kann erst vor drei Jahren eingewandert sein. Auch einen Migrationshintergrund bildet die Statistik nicht ab. Setze deshalb nie “ohne deutschen Pass” mit “braucht Sprachförderung” gleich.
Die Statistik nennt keine Gründe
Warum mehr Menschen ohne deutschen Pass eine Ausbildung beginnen, steht nicht in den Daten. Flucht, gezielte Anwerbung durch Betriebe und Familienzuwanderung sind mögliche Wege. Welcher Weg wie oft vorkommt, lässt sich aus der Berufsbildungsstatistik nicht ablesen.
Zwei Stichtage, zwei Zahlen
Vielleicht hast du für 2025 auch die Zahl von rund 476.000 Neuverträgen gelesen. Sie stammt aus der Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum 30. September 2025. Das Statistische Bundesamt zählt dagegen die Verträge, die am 31. Dezember 2025 noch bestanden. Beide Zahlen sind richtig. Vergleiche Werte deshalb nur innerhalb derselben Quelle.
Der Einstieg bleibt schwerer
Mehr Neuverträge heißt nicht, dass der Weg in die Ausbildung für alle gleich leicht ist. Der Berufsbildungsbericht 2026 der Bundesregierung zeigt das Gegenteil. Von den ausländischen Bewerberinnen und Bewerbern, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet waren, fand im Ausbildungsjahr 2024/25 nur ein Drittel (33 Prozent) eine Ausbildungsstelle. Bei deutschen Bewerbenden waren es 46 Prozent.
Der Bericht verweist auf Erhebungen, nach denen junge Menschen mit Migrationshintergrund auch bei vergleichbaren Voraussetzungen schwerer eine Stelle finden. Für deine Arbeit ist das relevant, weil Handlungsfeld 2 der AEVOAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen → die Auswahl von Auszubildenden umfasst. Der Rahmenplan von 2023 verlangt dort ausdrücklich eine Auswahl, die die Heterogenität der Bewerbenden berücksichtigt.
Sprache ist die häufigste Hürde aus Sicht der Betriebe
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat für ihre Ausbildungsumfrage 2025 IHK-Betriebe befragt. Der Berufsbildungsbericht 2026 gibt die Ergebnisse wieder. Jedes dritte Unternehmen hat demnach schon versucht, Personen aus sogenannten Drittstaaten auszubilden. Das sind im Wesentlichen Staaten außerhalb der Europäischen Union. Diese Betriebe nennen als größte Herausforderung mangelnde Deutschkenntnisse zu Beginn der Ausbildung (71 Prozent). Es folgen bürokratische Hürden (62 Prozent) und fehlender Wohnraum in Betriebsnähe (48 Prozent).
Diese Werte beschreiben die Einschätzung der Betriebe. Sie messen nicht den Sprachstand der Auszubildenden. Sie zeigen aber, wo viele Betriebe im Alltag Unterstützung brauchen.
Was du im Betrieb konkret tun kannst
Die folgenden Schritte sind unsere praktische Einordnung. Sie folgen aus dem Rahmenplan und aus den genannten Förderangeboten. Ihre Wirkung auf Ausbildungserfolg oder Vertragslösungen belegen die Zahlen nicht.
Fachsprache sichtbar machen
Viele Auszubildende kommen im Alltag gut zurecht und scheitern trotzdem an Fachtexten. Arbeitsanweisungen, Sicherheitshinweise und Prüfungsaufgaben nutzen eine eigene Sprache. Prüfe deine Arbeitsaufträge auf lange Sätze, Abkürzungen und Begriffe, die im Betrieb selbstverständlich sind. Lass dir eine Aufgabe in eigenen Worten wiedergeben, statt nur zu fragen: “Alles klar?”
Ein fiktives Beispiel aus der TechVista GmbH: Ben ist im zweiten Ausbildungsjahr zum Fachinformatiker. Mündlich klärt er Kundenprobleme sicher. Seine schriftlichen Störungsberichte sind aber lückenhaft, und in der Berufsschule fallen ihm Fachtexte schwer. Sein Ausbilder legt mit ihm eine Liste der zwanzig häufigsten Fachbegriffe an. Außerdem schreibt Ben seine nächsten Berichte zuerst als Entwurf, den beide gemeinsam besprechen. Das Beispiel beschreibt einen möglichen Weg, keinen belegten Erfolg.
Mit der Berufsschule sprechen
Sprachliche Schwierigkeiten zeigen sich oft zuerst in der Berufsschule. Frag nach, welche Beobachtungen die Lehrkräfte haben und welche Förderung es dort gibt. Diese Abstimmung ist ein Kern der Lernortkooperation.
Förderangebote kennen
Zwei öffentliche Angebote können helfen. Beide kosten den Betrieb nichts. Den Antrag stellen jeweils die Auszubildenden.
- Die Berufssprachkurse für Auszubildende des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) richten sich an Auszubildende mit Migrationshintergrund und Sprachförderbedarf. Sie laufen zusätzlich zur Berufsschule, meist über ein Berufsschuljahr. Sie bereiten gezielt auf Fachsprache und Prüfungen vor. Das BAMF hält eine Freistellung durch den Betrieb für den Kursbesuch für hilfreich.
- Die Assistierte Ausbildung der Bundesagentur für Arbeit kann unter anderem Lernförderung und Sprachförderung umfassen. Ein Einstieg ist auch während der laufenden Ausbildung möglich.
Kläre im Einzelfall mit dem Kursträger, der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Ein Anspruch besteht nicht automatisch.
Unterschiede als Ausgangspunkt nutzen
Der Rahmenplan von 2023 spricht von “Heterogenität als Chance”. Er verlangt, die Lernvoraussetzungen bei unterschiedlichen Gruppen zu berücksichtigen und interkulturelle Kompetenzen zu fördern. Das heißt nicht, jede Person nach ihrer Herkunft zu behandeln. Es heißt, die Voraussetzungen einzeln zu prüfen: Was kann die Person schon, wo braucht sie Unterstützung? Mehr dazu findest du unter Lernschwierigkeiten und im Überblick zu Handlungsfeld 3: Ausbildung durchführen.
Was offenbleibt
Die Berufsbildungsstatistik zeigt, wer 2025 eine Ausbildung begonnen hat. Sie zeigt nicht, wie viele dieser Ausbildungen erfolgreich enden. Aussagen über Abschlussquoten oder Vertragslösungen nach Staatsangehörigkeit gehören nicht zu dieser Veröffentlichung. Wie du Vertragslösungen grundsätzlich richtig liest, erklärt unser Beitrag zur Vertragslösungsquote 2026.
Ob der Aufwand für das Ausbildungspersonal mit dem Anteil von Auszubildenden ohne deutschen Pass steigt, zeigen die Daten ebenfalls nicht. Der Beitrag Ausbildungspersonal unter Druck zeigt aber, dass viele Betriebe schon heute mehr Betreuungsaufwand melden.
Für deine Ausbildung ist der nächste Schritt überschaubar. Sieh dir deine aktuellen Auszubildenden einzeln an. Prüfe, ob Arbeitsaufträge, Berichte und Berufsschule sprachlich zusammenpassen. Wenn nicht, sprich es früh an und nutze die vorhandenen Förderangebote. So wird aus einer Statistik eine konkrete Frage für deinen Betrieb.