Die Ausbilder-EignungsverordnungAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen → (AEVO) legt fest, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen. Sie verbindet die tägliche Ausbildungsarbeit mit vier Handlungsfeldern und einer Prüfung. Die Verordnung regelt dagegen nicht die gesamte Berufsausbildung und ersetzt weder das Berufsbildungsgesetz noch die Ausbildungsordnung eines Berufs.
Die AEVO in einem Satz
Die AEVO beschreibt die pädagogische Eignung für das selbstständige Planen, Durchführen und Kontrollieren der Berufsausbildung und regelt, wie diese Eignung nachgewiesen wird.
Wofür die AEVO gebraucht wird
Ein beruflicher Abschluss zeigt noch nicht, dass eine Person Ausbildung planen, Lernprozesse begleiten und Leistungen beurteilen kann. Genau diese zusätzliche Ebene deckt die AEVO ab. Ihr Ziel ist nicht das bloße Wissen über einzelne Methoden. Verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder sollen Ausbildung als vollständigen Prozess gestalten können: vom Prüfen der Voraussetzungen bis zum Abschluss und zur weiteren beruflichen Entwicklung.
§ 2 AEVO fasst diese Fähigkeit als Kompetenz zum selbstständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren zusammen. § 3 führt aus, welche Entscheidungen und Handlungen dazu gehören. Deshalb sind die vier Handlungsfelder mehr als eine Gliederung für einen Vorbereitungskurs. Sie beschreiben den berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzbereich, den die Prüfung erfasst.
Für wen die Verordnung gilt
Nach § 1 AEVO müssen Ausbilderinnen und Ausbilder für anerkannte Ausbildungsberufe nach dem Berufsbildungsgesetz den Erwerb dieser Kompetenzen nachweisen. Die Vorschrift nimmt die Ausbildung im Bereich der Angehörigen der freien Berufe aus ihrem Geltungsbereich aus.
Der Geltungsbereich beantwortet jedoch nicht jeden betrieblichen Einzelfall. Die Handwerksordnung enthält für ihren Bereich eigene Regelungen. Für Meisterprüfungen und andere Fortbildungsprüfungen kann die berufs- und arbeitspädagogische EignungBerufs- und arbeitspädagogische EignungBerufs- und arbeitspädagogische Eignung ist die Kompetenz, eine Berufsausbildung in vier Handlungsfeldern selbstständig zu planen, durchzuführen und zu kontrollieren.Im Lexikon öffnen → bereits Teil des Abschlusses sein. Die zuständige Stelle prüft außerdem mögliche andere Nachweise und Befreiungen nach § 6 AEVO.
Die Seite zu den Voraussetzungen für den Ausbilderschein trennt Prüfungszulassung, persönliche EignungPersönliche EignungPersönliche Eignung bedeutet, dass keine Umstände vorliegen, die eine verantwortliche Einstellung oder Ausbildung von Auszubildenden ausschließen.Im Lexikon öffnen →, berufliche Eignung und betriebliche Voraussetzungen im Detail.
Die vier Handlungsfelder bilden den Ausbildungsverlauf ab
Die Handlungsfelder folgen der zeitlichen und sachlichen Logik einer Ausbildung. Sie helfen dadurch bei zwei Aufgaben: Du kannst einen Ausbildungsfall einer Phase zuordnen und anschließend prüfen, welche Kompetenz eine Ausbildungsperson dafür braucht.
| Handlungsfeld | Zentrale Aufgabe | Typische Entscheidungen |
|---|---|---|
| 1. Voraussetzungen prüfen und Ausbildung planen | Klären, ob und wie der Betrieb ausbilden kann | Ausbildungsbedarf, Berufswahl, Eignung der Ausbildungsstätte und beteiligte Personen |
| 2. Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung mitwirken | Verbindliche und organisatorische Grundlagen schaffen | Ausbildungsplan, Auswahl, Vertrag, Mitbestimmung und Zusammenarbeit mit der Berufsschule |
| 3. Ausbildung durchführen | Lern- und Arbeitsprozesse fördern und begleiten | Lernaufgaben, Methoden, Rückmeldung, Unterstützung, Konflikte und Leistungsbeurteilung |
| 4. Ausbildung abschließen | Prüfung und Übergang vorbereiten | Prüfungsanmeldung, Prüfungsvorbereitung, Zeugnis und berufliche Entwicklung |
Die ausführliche Übersicht der vier AEVO-Handlungsfelder erklärt ihre Inhalte, ihre Reihenfolge und passende Vertiefungen. Für einen konkreten Fall ist die Zuordnung nur der erste Schritt. Danach musst du die fachliche Entscheidung begründen können.
TechVista möchte erstmals Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker ausbilden. Zuerst prüft Frau Sommer den Ausbildungsbedarf und die Eignung des Betriebs. Das gehört zu Handlungsfeld 1. Anschließend wird ein betrieblicher AusbildungsplanBetrieblicher AusbildungsplanDer betriebliche Ausbildungsplan überträgt den Ausbildungsrahmenplan auf einen konkreten Betrieb. Er ordnet Inhalte den Zeiten, Lernorten, Aufgaben und verantwortlichen Personen zu.Im Lexikon öffnen → erstellt und der Vertrag mit Aylin vorbereitet. Das gehört zu Handlungsfeld 2. Später plant die Ausbildungsperson Lernaufgaben, gibt Rückmeldung und beurteilt den Lernstand. Diese Arbeit gehört zu Handlungsfeld 3. Die Phasen hängen zusammen, auch wenn die AEVO sie zur Orientierung trennt.
Wie die Eignung nachgewiesen wird
§ 4 AEVO sieht einen schriftlichen und einen praktischen Prüfungsteil vor. Im schriftlichen Teil bearbeitest du fallbezogene Aufgaben aus allen vier Handlungsfeldern. Die Prüfung soll drei Stunden dauern. Im praktischen Teil präsentierst du im Regelfall eine berufstypische AusbildungssituationAusbildungssituationEine Ausbildungssituation ist ein begrenzter berufstypischer Lernanlass, in dem eine lernende Person ein konkretes Ausbildungsziel erreichen soll.Im Lexikon öffnen → oder führst sie praktisch durch. Dazu kommt ein Fachgespräch. Beide praktischen Bestandteile dürfen außerhalb der Sonderregel für Landwirtschaft und Hauswirtschaft zusammen höchstens 30 Minuten dauern; die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten.
Bestanden ist die Prüfung, wenn jeder Prüfungsteil mindestens mit “ausreichend” bewertet wurde. Eine nicht bestandene Prüfung kann innerhalb eines Prüfungsverfahrens zweimal wiederholt werden. Ein bestandener Teil kann dabei angerechnet werden.
Diese Vorgaben sind bundesrechtlich. Die konkrete Durchführung folgt zusätzlich der Prüfungsordnung und den aktuellen Hinweisen der zuständigen Stelle. Aufgabenzahl, technische Durchführung, zugelassene Hilfsmittel und organisatorische Fristen dürfen deshalb nicht allein aus der AEVO abgeleitet werden. Der Überblick zur AEVO-Prüfung trennt bundesweite Regeln und veröffentlichte Prüfungspraxis genauer.
Welche anderen Nachweise möglich sind
Eine bestandene AEVO-Prüfung ist der häufigste Nachweis, aber nicht der einzige. § 6 AEVO unterscheidet mehrere Fälle:
- Eine frühere Prüfung nach einer zuvor geltenden Ausbilder-Eignungsverordnung kann als Nachweis fortgelten.
- Eine Meisterprüfung oder eine andere berufliche Fortbildungsprüfung kann die berufs- und arbeitspädagogische Eignung bereits enthalten.
- Bei anderen staatlichen, staatlich anerkannten oder öffentlich-rechtlich abgenommenen Prüfungen kann die zuständige Stelle auf Antrag ganz oder teilweise von der AEVO-Prüfung befreien, wenn die Inhalte den Anforderungen entsprechen.
- Die zuständige Stelle kann unter engen Voraussetzungen auch von der Vorlage des Nachweises befreien, wenn die Eignung anders glaubhaft gemacht wird und eine ordnungsgemäße Ausbildung gesichert ist.
Eine Befreiung ist deshalb keine pauschale Folge eines ähnlich klingenden Abschlusses. Entscheidend sind Inhalt, Umfang und die Entscheidung der zuständigen Stelle. Reiche vorhandene Zeugnisse früh ein und lass dir die Anerkennung bestätigen, bevor du eine weitere Prüfung buchst.
AEVO, BBiG und Rahmenplan erfüllen verschiedene Aufgaben
Diese drei Dokumente werden häufig vermischt. Ihre Funktion ist jedoch klar verschieden.
| Grundlage | Verbindlichkeit | Aufgabe |
|---|---|---|
| Berufsbildungsgesetz (BBiG) | Bundesgesetz | Regelt die betriebliche Berufsausbildung insgesamt, etwa Vertrag, Pflichten, Eignung, Prüfungen und zuständige Stellen |
| Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) | Bundesverordnung auf Grundlage des BBiG | Beschreibt die berufs- und arbeitspädagogische Eignung und ihren Nachweis |
| BIBB-Rahmenplan zur AEVO | Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses | Konkretisiert die Handlungsfelder für Lehrgänge und nennt Kompetenzen sowie beispielhafte Inhalte |
Die AEVO stützt sich auf die Verordnungsermächtigung in § 30 Absatz 5 BBiG. Der Rahmenplan ist dagegen kein Gesetz. Seine Neufassung wurde am 20. Juni 2023 beschlossen. Sie berücksichtigt unter anderem Digitalisierung, Heterogenität und Nachhaltigkeit stärker. Die AEVO selbst wurde dadurch nicht zu einer “neuen AEVO 2024”. Verändert wurde der Rahmenplan, nicht die Verordnung.
Der Rahmenplan empfiehlt 115 Unterrichtsstunden und eine Aufteilung der Lehrgangsdauer auf die vier Handlungsfelder. Diese Empfehlung ist weder eine Zulassungsvoraussetzung für die Prüfung noch automatisch die Punkteverteilung einer konkreten schriftlichen Prüfung. Ein Vorbereitungskurs kann sich daran orientieren, während die verbindlichen Prüfungsregeln aus AEVO, örtlicher Prüfungsordnung und Einladung der zuständigen Stelle folgen.
Was die AEVO nicht regelt
Die AEVO ist bewusst berufsübergreifend. Sie schreibt nicht vor, welche fachlichen Inhalte in einem bestimmten Ausbildungsberuf vermittelt werden. Diese Inhalte stehen in der jeweiligen Ausbildungsordnung und ihrem Ausbildungsrahmenplan. Der Betrieb konkretisiert sie anschließend im betrieblichen Ausbildungsplan. Eine gute AEVO-Vorbereitung zeigt dir, wie du diesen Prozess pädagogisch gestaltest. Sie ersetzt aber nicht die beruflichen Fachkenntnisse für den konkreten Beruf.
Auch Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis folgen nicht allein aus der AEVO. Vertrag, Vergütung, Freistellung, Probezeit und Kündigung regelt vor allem das Berufsbildungsgesetz. Je nach Person und Situation kommen weitere Gesetze hinzu, etwa das Jugendarbeitsschutzgesetz für Minderjährige. Die AEVO verlangt, dass eine Ausbildungsperson solche Rahmenbedingungen in ihren Entscheidungen berücksichtigt. Sie enthält jedoch nicht jede einzelne Schutz- oder Vertragsregel selbst.
Schließlich legt die AEVO keinen bestimmten Unterrichtsablauf für Vorbereitungskurse fest. Der BIBB-Rahmenplan empfiehlt Inhalte und Zeiten, Bildungsträger wählen aber ihre konkrete Lehrgangsgestaltung. Für deine Prüfungsvorbereitung ist deshalb entscheidend, ob du die Kompetenzen aus allen Handlungsfeldern auf Fälle anwenden kannst. Eine bestimmte Zahl besuchter Unterrichtsstunden beweist diese Fähigkeit nicht automatisch.
Die AEVO in einem Ausbildungsfall anwenden
In Prüfungsaufgaben und in der Praxis reicht es nicht, ein Stichwort einem Handlungsfeld zuzuordnen. Nutze eine feste Reihenfolge, damit Rollen, Rechtsgrundlage und pädagogische Entscheidung zusammenpassen.
AEVO-Fälle strukturiert lösen
- Ausbildungsphase bestimmen und das passende Handlungsfeld zuordnen.
- Beteiligte und ihre Rolle klären: Ausbildende, verantwortliche Ausbildungsperson, Ausbildungsbeauftragte oder auszubildende Person.
- Verbindliche Grundlage und betriebliche Rahmenbedingungen prüfen.
- Pädagogische Entscheidung auf das Ausbildungsziel und die konkrete Person beziehen.
- Umsetzung und Kontrolle so beschreiben, dass der Lernfortschritt erkennbar wird.
Diese Reihenfolge schützt vor zwei typischen Fehlern. Eine rechtlich zulässige Handlung ist nicht automatisch pädagogisch sinnvoll. Umgekehrt kann eine gute pädagogische Idee an Vertrag, Schutzvorschriften oder fehlender betrieblicher Eignung scheitern. Die AEVO verbindet deshalb Planung, Durchführung und Kontrolle mit rechtlichen und organisatorischen Bedingungen.
Der Themenüberblick Recht in der AEVO ordnet die wichtigsten Rechtsgrundlagen ein. Dort findest du die Vertiefungen zu BBiG, Vertrag, Probezeit und Schutzvorschriften.
Häufige Fragen
Ist die AEVO dasselbe wie der Ausbilderschein?
Die AEVO ist die Rechtsverordnung. Nach bestandener Prüfung erhältst du ein Zeugnis über die berufs- und arbeitspädagogische Eignung. Umgangssprachlich wird dieses Zeugnis häufig Ausbilderschein genannt.
Wurde die AEVO 2023 oder 2024 geändert?
Nein. Neu gefasst wurde 2023 der BIBB-Rahmenplan zur AEVO. Die Verordnung selbst gilt in ihrer Fassung von 2009 fort.
Schreibt die AEVO einen Vorbereitungskurs vor?
Nein. Die AEVO regelt den Kompetenznachweis durch die Prüfung, aber keinen verpflichtenden Lehrgang. Der BIBB-Rahmenplan gibt Empfehlungen für die Gestaltung von Lehrgängen.
Beweist die AEVO-Prüfung die vollständige fachliche Eignung?
Sie weist die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nach. Berufliche und persönliche Eignung sowie die Eignung der Ausbildungsstätte bleiben eigene Voraussetzungen.