Der Ausbilderschein allein bringt dir kein festes Gehaltsplus. Weder die Ausbilder-EignungsverordnungAEVOAEVO steht für Ausbilder-Eignungsverordnung. Sie regelt, welche berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen verantwortliche Ausbilderinnen und Ausbilder nachweisen müssen.Im Lexikon öffnen → (AEVO) noch das Berufsbildungsgesetz regeln, was Ausbilderinnen und Ausbilder verdienen. Mehr Geld gibt es erst, wenn du eine Ausbildungsaufgabe übernimmst und dein Tarif- oder Arbeitsvertrag dafür eine Zulage oder eine höhere Eingruppierung vorsieht. Wer hauptberuflich in der betrieblichen Ausbildung arbeitet, verdient laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Median 4.892 Euro brutto im Monat (Vollzeit, Stand: 31. Dezember 2025).
Ob sich der Schein für dich lohnt, hängt deshalb weniger vom Zeugnis ab als von der Rolle, die du damit übernehmen willst. Was der Ausbilderschein genau nachweist, erklärt der Überblick zum Ausbilderschein.
Lohnt sich der Ausbilderschein?
Finanziell lohnt er sich vor allem, wenn du damit eine Ausbildungsrolle übernimmst, die dein Betrieb oder dein Tarifvertrag bezahlt. Unabhängig vom Gehalt ist er der übliche Nachweis, um in einem Betrieb verantwortlich auszubilden. Im Handwerk befreit er von Teil IV der Meisterprüfung, und mehrere Fortbildungen setzen ihn voraus.
Gibt es mit dem Ausbilderschein automatisch mehr Gehalt?
Nein. Die AEVO regelt, was du in der Prüfung nachweist und wie die Prüfung abläuft. Das Berufsbildungsgesetz regelt, wer ausbilden darf. Zur Bezahlung der Ausbildenden sagen beide nichts. Einen gesetzlichen Anspruch auf mehr Gehalt, nur weil du die Prüfung bestanden hast, gibt es deshalb nicht.
Ein Anspruch kann nur aus einem Tarifvertrag oder aus deinem Arbeitsvertrag entstehen. Die Tarifverträge, die wir geprüft haben, knüpfen an die Tätigkeit an und nicht an ein Zeugnis. Der Bundesentgelttarifvertrag der chemischen Industrie sagt das ausdrücklich: Für die Eingruppierung ist „nicht die berufliche Bezeichnung oder der akademische Abschluss, sondern allein die Tätigkeit des Arbeitnehmers maßgebend“.
Zwei Fachkräfte bestehen im selben Monat die AEVO-Prüfung. Die eine wird danach als verantwortliche AusbilderinAusbilderEin Ausbilder ist die persönlich und fachlich geeignete Person, die eine Berufsausbildung im Betrieb unmittelbar und verantwortlich durchführt.Im Lexikon öffnen → benannt und betreut zwei Auszubildende. Die andere arbeitet weiter in ihrer bisherigen Rolle. Ob die erste mehr verdient, hängt von ihrem Vertrag und Tarif ab. Bei der zweiten ändert das Zeugnis am Gehalt in der Regel nichts.
Was verdienen Ausbilderinnen und Ausbilder?
Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zeigt, was Beschäftigte in einem Beruf verdienen. Er misst die ausgeübte Tätigkeit, nicht die Qualifikation. Die Tabelle nennt den Median, also den mittleren Wert: Die Hälfte verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Die Spalte daneben zeigt den Bereich, in dem die mittlere Hälfte der Beschäftigten liegt.
| Beruf im Entgeltatlas | Median brutto im Monat | Mittlere Hälfte | Beschäftigte |
|---|---|---|---|
| Ausbilder/in in anerkannten Ausbildungsberufen | 4.892 € | 4.012 bis 5.965 € | 24.441 |
| davon Männer | 4.988 € | 4.111 bis 6.045 € | 18.773 |
| davon Frauen | 4.557 € | 3.676 bis 5.614 € | 5.668 |
| Berufspädagoge/-pädagogin | 5.222 € | 4.358 bis 6.474 € | 1.636 |
| Berufe in der Personalentwicklung, hoch komplexe Tätigkeiten | 5.911 € | 4.593 bis 7.591 € | 16.448 |
Die Werte gelten für Deutschland, sozialversicherungspflichtige Vollzeit und den Stichtag 31. Dezember 2025. Die letzte Zeile ist eine breite Gruppe. Ihr ordnet die Bundesagentur auch die Leitung der betrieblichen Aus- und Weiterbildung zu. Einen eigenen Eintrag für Ausbildungsleiterinnen und Ausbildungsleiter gibt es nicht.
Auch die Branche macht einen Unterschied. Ausbilderinnen und Ausbilder im produzierenden Gewerbe ohne Bau verdienten im Median 6.324 Euro. In öffentlicher Verwaltung, Schul-, Gesundheits- und Sozialwesen waren es 4.327 Euro. In diesem Bereich arbeitet fast die Hälfte der erfassten Beschäftigten.
Wann zahlen Tarifverträge eine Zulage?
Einige Tarifverträge sehen für Ausbildungsaufgaben eine Zulage oder eine eigene Entgeltgruppe vor. Die Bedingungen unterscheiden sich stark. Die beiden folgenden Beispiele zeigen, worauf du in deinem eigenen Tarifvertrag achten solltest.
| Merkmal | Entgeltordnung des Bundes | Chemische Industrie |
|---|---|---|
| Regelung | monatliche Ausbildungszulage nach § 16 TV EntgO Bund | hauptberufliche Ausbilder als Beispiel für Entgeltgruppe E 11 |
| Betrag | 362,39 Euro im Monat ab 1. Mai 2026 | keine eigene Zulage |
| Bedingung | Eingruppierung als Ausbilderin oder Ausbilder in Betrieben und Werkstätten | hauptberufliche Ausbildungstätigkeit mit Berufserfahrung |
| Rolle des Ausbilderscheins | im Tariftext nicht als Voraussetzung genannt | nicht ausdrücklich genannt; das Richtbeispiel meint Ausbilder im Sinne des Berufsbildungsgesetzes, für die das Gesetz die Eignung verlangt |
Die Zulage des Bundes gilt nur für Beschäftigte mit körperlich oder handwerklich geprägten Tätigkeiten, die nach einem bestimmten Abschnitt der Entgeltordnung eingruppiert sind. Sie gilt für die Dauer der Ausbildungstätigkeit. In beiden Beispielen entscheidet die Aufgabe über das Geld, nicht das Zeugnis.
Prüfe deshalb in deinem Tarifvertrag oder Arbeitsvertrag diese drei Punkte: Gibt es eine Zulage oder eine Entgeltgruppe für Ausbildungsaufgaben? Setzt sie eine Bestellung als Ausbilderin oder Ausbilder voraus? Nennt sie den Ausbilderschein als Bedingung? Wenn es einen Betriebsrat oder Personalrat gibt, kann er dir sagen, welcher Tarif gilt.
Was bringt der Ausbilderschein unabhängig vom Gehalt?
Der größte Nutzen liegt oft nicht auf dem Gehaltszettel. Der Schein öffnet Aufgaben und Abschlüsse, die ohne ihn nicht oder nur über Umwege erreichbar sind.
Du kannst verantwortlich ausbilden
Ein Betrieb braucht für jede Ausbildung eine verantwortliche Ausbildungsperson. Diese Person weist ihre berufs- und arbeitspädagogische EignungBerufs- und arbeitspädagogische EignungBerufs- und arbeitspädagogische Eignung ist die Kompetenz, eine Berufsausbildung in vier Handlungsfeldern selbstständig zu planen, durchzuführen und zu kontrollieren.Im Lexikon öffnen → in der Regel mit der AEVO-Prüfung nach. Dazu kommen persönliche und berufliche Eignung. Für Ausbildungen in den freien Berufen, etwa in Arzt- oder Zahnarztpraxen, gilt die AEVO nicht. Die Voraussetzungen für den Ausbilderschein erklären, wie diese Teile zusammenpassen.
Für Betriebe ist das keine Nebensache. In einer BIBB-Befragung gaben 30 Prozent der Betriebe an, dass es in den vorangegangenen fünf Jahren schwieriger geworden ist, Beschäftigte für Ausbildungsaufgaben zu gewinnen. Wer den Nachweis mitbringt, kann diese Lücke füllen.
Im Handwerk zählt er für die Meisterprüfung
Die Meisterprüfung im Handwerk hat vier Teile. Teil IV prüft die berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse. Wer die AEVO-Prüfung bestanden hat, ist nach § 46 Abs. 1c der Handwerksordnung von Teil IV befreit. Umgekehrt gilt eine bestandene Meisterprüfung nach § 6 Abs. 2 AEVO als Nachweis der Ausbildereignung. Kläre die Befreiung mit deiner Handwerkskammer, bevor du dich zur Meisterprüfung anmeldest.
Mehrere Fortbildungen setzen ihn voraus
Einige Aufstiegsfortbildungen verlangen die bestandene AEVO-Prüfung oder eine vergleichbare Qualifikation. Die Tabelle zeigt drei geprüfte Beispiele.
| Fortbildung | Rolle der AEVO-Prüfung | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Geprüfter Industriemeister Metall | Nachweis spätestens vor der letzten Prüfungsleistung | § 2 Abs. 2 der Verordnung |
| Geprüfter Aus- und Weiterbildungspädagoge | Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung | § 2 Abs. 1 der Verordnung |
| Geprüfter Berufspädagoge | Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung | § 2 Abs. 1 der Verordnung |
Für andere Fortbildungen prüfst du die jeweilige Prüfungsverordnung oder fragst deine zuständige StelleKammer und zuständige StelleDie zuständige Stelle überwacht und berät die Berufsausbildung, führt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse und organisiert Prüfungen. IHK und HWK sind häufige, aber nicht die einzigen zuständigen Stellen.Im Lexikon öffnen →.
Kosten und Aufwand gegenüberstellen
Dem möglichen Nutzen stehen Geld und Zeit gegenüber. Die Prüfungsgebühr legt jede zuständige Stelle selbst fest. Bei 116 ausgewerteten IHKs und Handwerkskammern liegt sie für die vollständige Prüfung zwischen 102 und 590 Euro, der Median bei 225 Euro (Stand: 20. Oktober 2026). Ein Vorbereitungskurs ist freiwillig und kostet zusätzlich. Die vollständige Rechnung findest du bei den Kosten des Ausbilderscheins.
Für die Zeit gibt es keine Pflicht. Der Rahmenplan des BIBB empfiehlt für Vorbereitungslehrgänge 115 Unterrichtsstunden. Wie viel du selbst brauchst, hängt von deinem Vorwissen ab. Eine Planung findest du unter Wie lange dauert der Ausbilderschein?
Rechne nicht mit einer pauschalen Gehaltssteigerung, um die Kosten zu begründen. Rechne mit dem, was dein Betrieb oder dein Tarif konkret vorsieht. Frage vor der Anmeldung, ob dein Arbeitgeber Gebühr, Kurs oder Lernzeit übernimmt und welche Aufgabe du danach bekommen sollst.
Für wen lohnt sich der Ausbilderschein?
Diese Fragen helfen dir bei der Entscheidung. Je mehr du mit Ja beantwortest, desto eher lohnt sich der Schein für dich.
Prüfe deine Ausgangslage
- Dein Betrieb will ausbilden oder sucht eine verantwortliche Ausbildungsperson.
- Du sollst nach der Prüfung als Ausbilderin oder Ausbilder benannt werden.
- Dein Tarif- oder Arbeitsvertrag sieht für diese Aufgabe eine Zulage oder höhere Eingruppierung vor.
- Du planst eine Meisterprüfung im Handwerk oder eine Fortbildung, die den Nachweis verlangt.
- Du willst langfristig in die Aus- und Weiterbildung wechseln.
Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Antwort ausfallen kann.
Die Inhaberin des BäckerHaus Krüger will erstmals ausbilden. Eine Gesellin aus dem Verkauf soll verantwortliche Ausbilderin werden. Ohne eine geeignete Person kann der Betrieb nicht ausbilden. Für die Gesellin lohnt sich der Schein, weil er eine neue Aufgabe möglich macht. Ob sie dafür mehr verdient, sollte sie vor der Prüfung mit der Inhaberin vereinbaren. Ein Anspruch entsteht nicht von selbst.
Bei der Contora GmbH begleiten AusbildungsbeauftragteAusbildungsbeauftragterEin Ausbildungsbeauftragter vermittelt abgegrenzte Ausbildungsinhalte im Arbeitsbereich und handelt dabei unter der Verantwortung des bestellten Ausbilders.Im Lexikon öffnen → die Auszubildenden in ihren Fachabteilungen. Sie wirken an der Ausbildung mit, sind aber nicht die verantwortlichen Ausbilder. Für diese Mitwirkung brauchen sie den Ausbilderschein nicht. Finanziell lohnt er sich für sie nur, wenn sie eine größere Rolle anstreben, etwa die Ausbildungsleitung, oder eine Fortbildung planen, die den Nachweis verlangt.
Teste vor der Entscheidung, wie dir die Prüfung liegt
Wenn du noch unsicher bist, hilft ein kurzer Selbsttest. Unsere kostenlosen AEVO-Prüfungsfragen zeigen dir mit 60 Übungsfragen, Lösungen und Begründungen, welche Art von Aufgaben dich im schriftlichen Teil erwartet. So kannst du den Lernaufwand besser einschätzen.
Wie viele die Prüfung bestehen und was sie schwer macht, erklärt die Seite Ist die AEVO-Prüfung schwer?
Häufige Fragen
Wie viel mehr Gehalt bekomme ich mit dem Ausbilderschein?
Dafür gibt es keinen festen Betrag. Weder AEVO noch Berufsbildungsgesetz regeln eine Vergütung für Ausbilderinnen und Ausbilder. Mehr Gehalt entsteht nur, wenn dein Tarif- oder Arbeitsvertrag für die Ausbildungsaufgabe eine Zulage oder höhere Eingruppierung vorsieht.
Was verdient ein Ausbilder?
Beschäftigte, die hauptberuflich in anerkannten Ausbildungsberufen ausbilden, verdienten zum 31. Dezember 2025 im Median 4.892 Euro brutto im Monat in Vollzeit. Das zeigt der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit. Fast alle Beschäftigten, die in Betrieben ausbilden, tun das aber nebenberuflich und werden nach ihrem eigentlichen Beruf bezahlt.
Was verdient ein Ausbildungsleiter?
Einen eigenen Eintrag gibt es im Entgeltatlas nicht. Die Bundesagentur ordnet die Leitung der betrieblichen Aus- und Weiterbildung einer breiten Gruppe der Personalentwicklung zu. Dort lag der Median zum 31. Dezember 2025 bei 5.911 Euro brutto im Monat in Vollzeit.
Muss mein Arbeitgeber mich besser bezahlen, wenn ich ausbilde?
Nur wenn dein Tarifvertrag oder dein Arbeitsvertrag das vorsieht. Kläre vor der Übernahme der Aufgabe, ob es eine Zulage oder eine höhere Eingruppierung gibt.
Lohnt sich der Ausbilderschein ohne Ausbildungsaufgabe?
Finanziell selten direkt. Er kann sich trotzdem lohnen, wenn du eine Meisterprüfung im Handwerk oder eine Fortbildung planst, die den Nachweis anrechnet oder voraussetzt.